Auftakt-Workshop: Auf zu einer Männergesundheitsstrategie!

Männer werden in der Gesundheitsförderung sowie in der gesundheitsbezogenen Prävention und Versorgung seit nunmehr 20 Jahren in Deutschland zunehmend spezifisch adressiert. Zahlreiche Beispiele guter Praxis sind zwischenzeitlich entstanden, stellen jedoch nach wie vor wenig miteinander verbundene Einzelaktivitäten dar. Eine übergeordnete Strategie kann hier zu einer qualitativen Weiterentwicklung beitragen.

Im Rahmen einer Initiative unseres Netzwerks möchten wir zusammen mit dem Bundesforum Männer und in Kooperation mit dem Bundesministerium für Gesundheit einen Impuls zur Entwicklung einer nationalen Männergesundheitsstrategie setzen.

Auf zu einer Männergesundheitsstrategie!
Step one: Handlungsfelder und Herausforderungen am Beispiel der Förderung der psychischen Gesundheit von Männern
Dienstag 13. April 2021, 10.00 – 14.00 Uhr
online via Zoom, persönliche Einladung

Im Workshop sollen anhand des Schwerpunktthemas psychische Gesundheit ausgewählte Aspekte behandelt und erste Schritte zur Entwicklung einer Männergesundheitsstrategie erörtert werden. Ein weiterer Bezugspunkt ist die europäische WHO-Strategie zur Förderung der Männergesundheit.

Der Workshop wird freundlicherweise von der Landesvereinigung für Gesundheit und Akademie für Sozialmedizin Niedersachsen e.V. organisiert.

RKI-Bericht: Gesundheitliche Lage der Frauen in Deutschland

Titelseite des Frauengesundheitsberichts

Bereits am 9. Dezember 2020 wurde der aktuelle Frauengesundheitsbericht des RKI vorgestellt. Er bietet zunächst einen Überblick zu Erkrankungen und Gesundheitsstörungen, zum Gesundheitsverhalten sowie zur Prävention und Gesundheitsversorgung. Entlang der Lebenslaufperspektive geht es dann um Mädchengesundheit, Frauen im Erwerbsalter und ältere Frauen. Ein Fokuskapitel reflektiert Frauengesundheit im Migrationskontext. Sexuelle und reproduktive Gesundheit, gesundheitliche Auswirkungen von Gewalt sowie ein europäischer Vergleich sind weitere Themen vor einem kurzen abschließenden Fazit.

Bei einer grundsätzlich erfreulichen intersektionalen und binnendifferenzierenden Perspektive ist ein Problem bisheriger Gesundheitsberichterstattung leider auch im Frauengesundheitsbericht nicht immer zufriedenstellend gelöst: Wenn es um die Darstellung geschlechtervergleichende Daten geht, entsteht im Subtext gerne mal eine wertende Tendenz – Wer macht es besser, wer schlechter, und wer ist besser, wer schlechter dran?

Dass die Datengrundlage teilweise nicht die aktuellste ist, kann den Autor:innen nicht angelastet werden, ebenso nicht die Tatsache, dass sich der Bericht als „politischer“ Bericht der Ableitung von Empfehlungen, Forderungen, Maßnahmen oder Strategien weitgehend enthalten muss. Das wäre jedoch unabdingbar, wenn Daten und Berichte auch etwas bewirken sollen, und bleibt mithin wohl weiter Aufgabe der Zivilgesellschaft.

Aufschlussreich ist die mediale Resonanz auf den Frauengesundheitsbericht, der gerne als „erster“ präsentiert oder rezipiert wird. Das vergisst, dass der erste Frauengesundheitsbericht der Bundesregierung bereits 2001 veröffentlicht wurde. Dieser hat, nebenbei bemerkt, entscheidend mit zur Frage nach der Männergesundheit beigetragen, sowie – nach vergeblichen Versuchen, damit auch im politischen Raum Gehör zu finden – zur Gründung unseres Netzwerks, der Stiftung Männergesundheit und weiterer Lobby-Organisationen. Der RKI-Männergesundheitsbericht von 2014 war mit ein Erfolg dieser Bemühungen. 

Wie viel noch zu tun ist, zeigt ein Blick auf die Deutsche Apothekerzeitung, die dem Frauengesundheitsbericht eine ganze Banalität entnimmt: „Männer und Frauen sind anders“. Das Ärzteblatt dagegen titelt: „Robert-Koch-Institut nimmt erstmals Gendermedizin in den Fokus“ – Das klingt zwar recht schick, ist aber falsch. Dass sich der Frauengesundheitsbericht nicht in gendermedizinischen Betrachtungen erschöpft, ist dort wohl nicht aufgefallen.

Interessant: Den Forderungen nach einem Männergesundheitsbericht Anfang der 2000er-Jahre wurde gerne entgegen gehalten, dass künftig alle Gesundheitsberichterstattung prinzipiell gegendert werde und sich geschlechterspezifische Berichte nach Berücksichtigung des Gender Mainstreamings sowieso erübrigen würden… Dass inzwischen beides geht und das Präventionsgesetz seit 2015 mit SGB V § 2b nochmals anordnet, „geschlechtsspezifischen Besonderheiten Rechnung zu tragen“, zeigt, dass Gesundheitspolitik und -berichterstattung sich hier doch weiterentwickelt haben.

Int. Woche der Männergesundheit 14.-20.06.21

Die 28. Männergesundheitswoche findet weltweit vom 14. bis 20. Juni 2021 statt. Im Mittelpunkt stehen in diesem Jahr wie bereits im Jahr 2020 alle Anstrengungen, um die Corona-Epidemie einzudämmen. 

Bis zur Männergesundheitswoche im Juni 2021 werden sicher vertretbare Lockerungen der Beschränkungen beschlossen, um zu mehr Normalität  zurückzukehren.  Männer sind auf Grund eines schwächeren Immunsystems, einer häufig ungesünderen Lebensweise und auch einer oft erhöhten Risikobereitschaft stärker von Corona-Erkrankungen betroffen. Besonders im höheren Lebensalter steigt die Infektionsgefahr und auch das Risiko für schwere Verläufe. Im Mittelpunkt der diesjährigen Männergesundheitswoche stehen deshalb alle Bemühungen, Impfungen in Anspruch zu nehmen, Infektionen durch präventive Maßnahmen und gesunde Lebensweise zu vermeiden, die Gesundheit, speziell das Wohlbefinden und die psychische Gesundheit zu stärken und die internationale Zusammenarbeit zu betonen.

Dazu zählen:

Inanspruchnahme von Impfungen
Die Impfangebote für Erwachsene sollten unbedingt in Anspruch genommen werden, um Gefahren für die Gesundheit von Männern zu vermeiden. Bei den Grippeimpfungen waren Männer im höheren Lebensalter bereit, Impfungen wahrzunehmen. Bei der Covid-19 Impfung sind hohe Impfraten erforderlich, um die Pandemie einzudämmen und schwere gesundheitliche Schäden zu vermeiden. Bei den Männern 60+ sollten wir Durchimpfungsraten von mindestens 60% bis zum Jahresende erreichen.

Verringerung von Ansteckungen und Förderung einer gesunden Lebensweise

  • Verringerung des Risikos einer Ansteckung mit dem Covid-19-Virus durch Einhaltung von Hygieneregeln (AHA + L- Regel – Abstand von 1,5 m halten, Hygienisches Händewaschen 20-30 Sek., Alltagsmaske, medizinische oder FFP2 Maske tragen und Räume lüften) und ggf. rechtzeitige Diagnostik und Therapie bei auftretenden Symptomen.
  • Raucher, die an Atemwegserkrankungen leiden, sollten motiviert werden, das Rauchen einzustellen.
  • Erhöhung der eigenen Widerstandskraft gegen das Virus durch eine gesunde Lebensweise und Fitness: Fahrradfahren, Jogging, viel Aufenthalt an frischer Luft und gesunde Ernährung, Vermeidung von hohem Übergewicht.
  • Teilnahme an Zertifizierten Kursen für gesunde Ernährung, Stressreduktion und Bewegung sind in der Datenbank der Zentralen Prüfstelle Prävention (ZPP) gelistet und werden finanziell von den Krankenkassen als Präventionsleistung unterstützt. Viele Kurse werden während der Pandemie auch online angeboten.
  • Teilnahme an Zertifizierten Kursen für gesunde Ernährung, Stressreduktion und Bewegung sind in der Datenbank der Zentralen Prüfstelle Prävention (ZPP) gelistet und werden finanziell von den Krankenkassen als Präventionsleistung unterstützt. Viele Kurse werden während der Pandemie auch online angeboten.
  • Durchführung von Aktionen zur Solidarität und Hilfebereitschaft gegenüber älteren und behinderten Bürgern im Wohngebiet. Dies schließt die Nutzung, den Einsatz und die Förderung individueller Kompetenzen im Rahmen kommunaler Projekte ein.
  • Nutzung aller Angebote zur Vorsorge, Prävention und Krankheitsfrüherkennung, wie Krebsvorsorge / -früherkennung, Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Impfschutz und Betriebliche Gesundheitsförderung (BGF), z.B. auch von geeigneten Gesundheits-Apps.

Stärkung des Wohlbefindens und der psychischen Gesundheit
Coronabezogene Aktionen müssen unbedingt den Schutz der psychischen Gesundheit einschließen, nach Ansicht der WHO ist dies ein bisher vernachlässigter Aspekt von Covid-19. Bei früheren Ausbrüchen von Infektionserkrankungen sind bspw. langfristige negative Folgen von Isolations- und Quarantänemaßnahmen belegt worden: Depressivität, Ängstlichkeit, Aggressivität, Stresserleben, Schlafstörungen, Sorgen, Einsamkeit und Stigmatisierungserleben. Diese Folgen werden unterschätzt und treffen Gesunde wie auch verstärkt Menschen mit psychischen Vorerkrankungen. Erste Studien in Zusammenhang mit Covid-19 weisen auf ein steigendes Risiko für Depression, Angst- und Belastungsstörungen sowie Suchtverhalten hin.

Niedrigschwellige Angebote zur Bewältigung von Isolation, psychischen Belastungen und Stress in der Coronakrise sind bereits vorhanden und könnten männerspezifisch aufbereitet bzw. an den Mann gebracht werden. Dabei muss besonders auf Depressivität, Depressionen, verstärktes Suchtverhalten, aggressives Verhalten, häusliche Gewalt, den Umgang mit Ängsten sowie auf das erhöhte Suizidrisiko von Männern fokussiert werden (insbesondere bei Existenzkrisen, Alleinstehenden, Älteren). 

E-Mental-Health Empfehlungen zur Bewältigung psychischer Belastungen basieren auf der Nutzung von wissenschaftlich fundierten und kostenlosen Angeboten zum Selbstmanagement (z.B. moodgym) sowie das für alle zugängliche ifightDepression Tool von der Stiftung Deutsche Depressionshilfe e.V.. Das Portal psychenet.de bietet Informationen für Betroffene mit psychischen Belastungen und Erkrankungen und ihren Angehörigen. Das Online-Training get.calm and move.on enthält Übungen gegen Angstgefühle.

Spezifische Coronabezogene Online Angebote sind die BDP-Corona-Hotline vom Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen, die professionelle Hilfe per Telefon anbietet (inzwischen leider geschlossen, aber weitere Adressen unter dieser URL, GN) oder die bundesweite Initiative starkdurchdiekrise.de, die u.a. eine Hotline zur psychologischen Erstversorgung und ein Corona-Online-Training mit psychologischer Begleitung anbietet. Mit der Corona EMIcompass App kann der Umgang mit Stress und Belastung verbessert werden.

Betonung der internationalen Zusammenarbeit
Die Internationale Zusammenarbeit mit der Global Action of Men´s Health, in dem Deutschland durch die Stiftung Männergesundheit Berlin vertreten ist, mit der Weltgesundheits-Organisation Europa und dem Healthy City Netzwork der WHO, sollte in den Veranstaltungen berücksichtigt werden, um internationale Bemühungen zur Verbesserung von Männergesundheit darzustellen. Der Männergesundheitsbericht 2018 der WHO, Regionalbüro Europa, hat bewirkt, dass gerade Kräfte gebündelt werden, um eine nationale Männergesundheitsstrategie in Deutschland auf den Weg zu bringen und somit die Gendergleichheit zu der vorliegenden Frauen-Gesundheitsstrategie in Deutschland herzustellen.

Wir empfehlen den Netzwerken für Jungen- und Männergesundheit, den Kommunen und Akteuren von Jungen- und Männergesundheit, sich einen Schwerpunkt für einen Aktionsplan in der Männergesundheitswoche herauszugreifen und öffentliche Aufmerksamkeit über Medien zu erlangen, damit männerspezifische Gesundheitsprobleme speziell im Zusammenhang mit der Bewältigung der Corona-Epidemie thematisiert und aufgegriffen werden.

Der Vorstand der Stiftung Männergesundheit
Der Wissenschaftliche Beirat der Stiftung Männergesundheit
Der Förderverein der Stiftung Männergesundheit

Berlin, den 4. Februar 2021

Dieses Schreiben steht hier als PDF zum Download bereit.

Online-Befragung: Empfehlungen für eine geschlechtersensible und intersektionale Gesundheitsberichterstattung

Akteure aus Wissenschaft oder Gesundheitsberichterstattung sind eingeladen, bis 15. März 2021 an einer Online-Befragung zur Entwicklung von Empfehlungen für eine geschlechtersensible und intersektionale Gesundheitsberichterstattung zteilzzunehmen.

Die Befragung wird im Rahmen des BMBF-geförderten AdvanceGender Projekts (Teilprojekt 3) im Fachgebiet Gesundheitsberichterstattung (GBE) des Robert Koch-Instituts (RKI) durchgeführt (Projektleitung: Dr. Alexander Rommel). Aufgabe der Gesundheitsberichterstattung ist es, aktuelle und detaillierte Informationen über die Gesundheit der Bevölkerung bereitzustellen. Sie ist damit eine wichtige Grundlage für die Gesundheitspolitik. Die geschlechtersensible und intersektionale Weiterentwicklung der GBE soll die Diversität der Bevölkerung besser abbilden und damit eine zielgruppengerechtere Gesundheitsförderung, Prävention und Versorgung ermöglichen.

Die Befragung ist Teil eines mehrstufigen Delphi-Verfahrens, in dem Expert:innen aus Wissenschaft und GBE Empfehlungen für eine geschlechtersensible und intersektionale GBE entwickeln. Die vorliegenden Empfehlungen wurden auf der Grundlage eines Workshops im Herbst 2019 im RKI entwickelt (Stufe 1) und sollen nun von einem größeren Kreis kommentiert und bewertet werden (Stufe 2).

Da es sich um bereits aufbereitete komplexe Empfehlungen für die GBE handelt, dauert die vollständige Beantwortung der Fragen ca. 40 Min. Sie können jedoch auch einzelne Punkte überspringen und die Befragung jederzeit unterbrechen und wiederaufnehmen.

Wir wissen um die hohe Auslastung vieler Menschen aufgrund der SARS-CoV-2-Pandemie und freuen uns sehr, wenn Sie dennoch bereit sind, uns bei der Weiterentwicklung der Gesundheitsberichterstattung zu unterstützen!

Zur Teilnahme an der Befragung folgen Sie bitte diesem Link. Sie können den Link zur Befragung sehr gern an relevante Akteure aus Wissenschaft oder GBE weiterleiten.

Wenn Sie Fragen haben, können Sie mich gerne per E-Mail erreichen.

Viele Grüße, Kathleen Pöge, RKI

Geschlechterreflektierte Männerarbeit: Neuer Orientierungsrahmen und Lehrgang

Was heißt eigentlich „geschlechterreflektiert“ mit Männern zu arbeiten? Auf welchem geschlechtertheoretischen Fundament steht Männerarbeit? Und was davon sollten alle Fachleute im Sozial- und Gesundheitswesen kennen?

Mann sein …!? Geschlechterreflektiert mit Jungen, Männern und Vätern arbeiten. Ein Orientierungsrahmen für Fachleute

Diesen Leitfragen haben sich Markus Theunert von männer.ch und Matthias Luterbach vom Zentrum Gender Studies der Universität Basel angenommen und in der Folge gewagt, einen fachlichen Orientierungsrahmen für die geschlechterreflektierte Arbeit mit Jungen, Männern und Vätern zu formulieren.

Das Buch erscheint am 22. Januar 2021 bei Beltz Juventa. Am gleichen Tag findet im Stadthaus Zürich die Vernissage statt, die auch online übertragen wird (u.a. mit Prof. Andrea Maihofer und Dr. Reinhard Winter) – Anmeldung hier

Geschlechterreflektiert mit Jungen, Männern und Vätern arbeiten. Lehrgang für Fachleute

Dieser fachliche Orientierungsrahmen bildet auch die konzeptuelle Grundlage für die Neuausschreibung eines Lehrgangs für die geschlechterreflektierte Arbeit mit Jungen, Männern und Vätern, den männer.ch und das Bundesforum Männer in einer Kooperation ab Sommer 2021 anbieten und in dem nicht zuletzt auch Gesundheitsthemen in verschiedenen Facetten angesprochen werden.

Verantwortlich: männer.ch in Kooperation mit dem Bundesforum Männer und dem Männerberatungsnetz

Vier Module: ein Eröffnungswochenende, drei Blockwochen

Zeitraum: Juni 2021 bis Februar 2022, Beginn 26. Juni 2021, Anmeldung bis 16. April 2021

Informationsabende per Zoom: 1. Februar und 15. März 2021, jeweils 18.00 bis 19.00 Uhr

Ort: Eröffnungswochenende in Basel oder Berlin, Blockwochen in Dachsberg (Südschwarzwald)

Kosten: 2.700 € zzgl. Übernachtung und Verpflegung

Information und Anmeldung: Markus Theunert

Kursausschreibung

„Männliche Erotik“– 6. Männerkongress 19.-20.02.21

Unter dem Tagungsthema „MÄNNLICHE EROTIK“ laden das Klinische Institut für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie des Universitätsklinikums Düsseldorf und die Akademie für Psychoanalyse und Psychosomatik Düsseldorf nach zehn Jahren zum jetzt sechsten Männerkongress ein.

Aus dem Grußwort:

Leider mussten wir aufgrund der Pandemie das Tagungsintervall verlängern. Zudem wird der Kongress als zertifizierte Onlineveranstaltung stattfinden, an der Sie von Zuhause aus teilnehmen können. In den letzten Kongressen ging es um die Themen Bindung, Sexualität und Macht – reflektiert in männlichen Identitätsdiskursen. Das Thema dieses Kongresses stellt die Frage nach der männlichen Erotik in dieses begriffliche Spannungsfeld. Erotik verweist nicht nur auf das eigene aktive Begehren, sondern repräsentiert auch passiv das mögliche Begehren und die Entfaltung der Triebwünsche der oder des Anderen. Als verführerische Inszenierung steht auch die männliche Erotik deshalb in scharfem Gegensatz zu sexualisierter Gewalt oder zur medial konkretisierten und kommerzialisierten pornographischen Enteignung. Erotik ermöglicht eine geteilte Sinnlichkeit, die eine Annäherung erlaubt, in welcher der oder die Andere nicht zum alleinigen Objekt oder Triebziel wird – weil er oder sie es in Wechselseitigkeit sind. Der Begriff der Erotik enthält also bereits eine charakteristische Spannung zwischen der Liebe, mit den stärkeren Aspekten der Bindung, Nähe und Sicherheit und dem Sinnlich-Körperlichen der Sexualität. Hierzu wird unser Männerkongress wieder männliche und weibliche Perspektiven renommierter Expertinnen und Experten aus unterschiedlichen Disziplinen wie Psychoanalyse, Kulturwissenschaften, Soziologie, Sexualwissenschaften zusammenbringen, deren Vorträge auch innerhalb des Onlineformates interaktiv diskutiert werden können.

Für die Veranstalter
Matthias Franz und André Karger

Datum: 19.-20. Februar 2021

Ort: Ganz bequem von zuhause aus, alle Vorträge werden live aus dem Universitätsklinikum Düsseldorf gestreamt.

Die Zertifizierung als Fortbildungsveranstaltung wird bei der Ärztekammer Nordrhein beantragt, es werden voraussichtlich 17 Punkte vergeben.

Hier geht es zu Programm und Anmeldung und zum Download des Programmflyers

Fortbildung Systemische Männerberatung „Von Manngesicht zu Manngesicht“

Verantwortlich: Landesfachstelle Männerarbeit Sachsen und Institut für psychosoziale Gesundheit Leipzig

Zehn 3-Tages-Module: Grundlagen, Gesellschaftliche Entwicklungen, Umgang mit Gefühlen, Partnerschaft, Konfliktlösungsstragegien, Familie, Gesundheit vs. Krankheit, Arbeitswelt, Migration und Männlichkeiten, Kolloquium

Zeitraum: Februar 2021 bis September 2022, Beginn 1. Februar 2021

Ort: Institut für psychosoziale Gesundheit Leipzig, Ferdinand-Rhode-Str. 34, 04107 Leipzig

Kosten: 4.800 €

Anmeldelink: Fortbildung Männer*beratung oder per Mail: joerg.gakenholz@juma-sachsen.de

Martin Dinges: 15 Jahre Netzwerk Jungen- und Männergesundheit

Das Netzwerk Jungen- und Männergesundheit wurde am 7. November 2005 ins Leben gerufen. Bis heute versteht es sich primär als niedrig strukturierter Zusammenschluss engagierter Personen und Institutionen. Das lange Bestehen des Netzwerks, der Austausch und die gegenseitige Qualifizierung sind als sehr positiv zu betrachten. Die Netzwerktreffen entwickelten sich hin zu einer professionellen Zusammenarbeit mit öffentlichen Einrichtungen (zum Beispiel Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg, Stadt Nürnberg) und erlaubte die Mobilisierung zusätzlicher externer oder lokaler Referent*innen. Beides verbessert die Qualifizierung der Teilnehmenden nach innen sowie die Bekanntheit des Themenfeldes nach außen. Die Vernetzung mit anderen wichtigen Akteuren ist über die Jahre gut vorangekommen: Ob mit der Stiftung Männergesundheit, der LVG & AFS oder dem Robert Koch-Institut (RKI) – all diese Kooperationen sind durch das Netzwerk gefördert worden. Darüber hinaus begünstigte das Netzwerk die internationalen Kooperationen mit anderen deutschsprachigen Ländern oder darüber hinaus. So wurde das Thema auch in den Gesundheitsministerien mit einer Reihe von Tagungen und Folge-Publikationen greifbar. Die Fülle von Netzangeboten und Materialien, die aus Aktivitäten einzelner Netzwerkmitglieder beziehungsweise der genannten Kooperationen hervorgegangen sind, ist beachtlich: Als Beispiele sind die Dresdener Website www. pflege-deinen-schwanz.de, die Männergesundheitsberichte und die Broschüren-Serie der Stiftung Männergesundheit oder der Ergebnisbericht des europäischen Kooperationsprojektes Health Literacy Progress for Men in Europe (HelpMen) zu nennen.

Transfer des Themas in Institutionen

Darüber hinaus ist das Thema auch in den Institutionen zagaft angekommen: Der RKI-Bericht zur gesundheitlichen Lage der Männer in Deutschland (2014) war wohl auch symbolisch wichtig; er wurde parallel zum Männergesundheitsportal der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (Freischaltung 2012) entwickelt. Eine Stelle im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend hat mittlerweile sogar das politisch höchst sensible Thema Gewaltschutz entdeckt und fördert es institutionell. Länderberichte wie jener aus Baden-Württemberg (2015) waren ebenfalls Ausdruck einer höheren politischen Beachtung des Themas, die erstmals zu einer kleinen Projektfinanzierung führte. In Sachsen ist man mit der Landesarbeitsgemeinschaft Jungen- und Männerarbeit (LAG Sachsen) weiter. In den meisten Bundesländern kam man jedoch über parlamentarische Anfragen nicht hinaus. Auf der kommunalen Ebene sind, insbesondere in Bayern und in Stuttgart, im Rahmen von Gleichstellungsabteilungen erste Stellen für Männerbedarfe eingerichtet worden. Diese zarten Pflänzchen könnte man als institutionellen Frühling der Männergesundheitsarbeit feiern, aber sie bleiben regional sehr konzentriert. Nach den ersten 15 Jahren ist dem Netzwerk Etliches gelungen.

Perspektiven

Es bleiben viele Aufgaben offen: Erstens müsste das regionale Ungleichgewicht behoben werden: Erstaunliche Lücken bestehen durchgehend im Westen sowie im Norden und Nordosten Deutschlands – dies zeigt, dass es sehr auf einzelne Aktivisten ankommt und von einer breiten Bewegung nicht die Rede sein kann. Vieles im Netzwerk ist dem kontinuierlichen Engagement von Wenigen verdankt. Zweitens wäre eine stärkere institutionelle Verankerung einer Männerbedarfe beachtenden Prävention und Gesundheitspolitik notwendig. Eine fachliche Revision der bisherigen Präventions- und Politikansätze steht noch aus. Kommunale, länder- und bundesweite Männergesundheitsziele und -pläne müssten formuliert und konsequent umgesetzt werden. Deutschland hat im internationalen Vergleich Einiges aufzuholen. Drittens fehlt Forschung, die die Praxis verbessert. Dafür und für eine bessere Implementierung wäre öffentliche Förderung notwendig, die über symbolische Peanuts hinaus geht. Das dürfte sich nur erreichen lassen, wenn das Netzwerk stärker wird, mehr Bündnispartner findet und sich in der Öffentlichkeit vernehmbar artikuliert.

Quelle: Impulse für Gesundheitsförderung 109 / 2020, S. 21

Zoom-Meeting: Tag der ungleichen Lebenserwartung | 10. Dezember 2020

Donnerstag 10. Dezember 2020 | 14:00 – 16:00 | online via zoom.us | kostenfrei

Programm

14:00 Uhr       Begrüßung und Einführung

14:10 Uhr       Grußwort | Dr. Sabine Voermans, Leiterin Gesundheitsmanagement, Techniker Krankenkasse

14:20 Uhr       Thematische Einführung: Tag der ungleichen Lebenserwartung | Dr. Matthias Stiehler, Stiftung Männergesundheit

14:30 Uhr       Männlichkeit und Lebenserwartung im Wandel: Welchen Einfluss hat die Arbeit? | Prof. Dr. Martin Dinges, stv. Leiter a.D. des Instituts für Geschichte der Medizin der Robert Bosch Stiftung

15:00 Uhr       Pause

15:10 Uhr       Gute Arbeit, Betriebliches Gesundheitsmanagement und Gesundheitsförderung: Chancen für Männer! | Gunter Neubauer, SOWIT – Sozialwissenschaftliches Institut Tübingen

15:40 Uhr       Gute Arbeit macht gesund – schlechte Arbeit nimmt (das) Leben!  (offener Austausch)

16:00 Uhr       Verabschiedung

Während neu geborene Mädchen eine Lebenserwartung von ca. 83 Jahren haben, beträgt diese bei neugeborenen Jungen nur ca. 78 Jahre. Auf ein Jahr umgerechnet würde das Leben von Frauen also in der Silvesternacht enden, das der Männer aber schon am 10. Dezember. Anders formuliert: Weihnachten findet ohne Männer statt!

Um dies stärker sichtbar zu machen wurde in Deutschland federführend durch die Stiftung Männergesundheit der Tag der ungleichen Lebenserwartung am 10. Dezember ins Leben gerufen. In diesem Jahr steht der Tag unter dem Motto „Gute Arbeit macht gesund – schlechte Arbeit nimmt (das) Leben“. Viele „Stellschrauben“ der Lebenserwartung werden bereits im erwerbstätigen Lebensalter gestellt und prägen die Lebensqualität und -erwartung in der zweiten Lebenshälfte. Wo kann man ansetzen, um hier die gesundheitliche Chancengleichheit von Frauen und Männern im Betrieb anzugleichen und zu erhöhen?

Dem Tag der ungleichen Lebenserwartung zum Anlass lädt Mann, was geht?! interessierte Fach- und Führungskräfte ein, um über Handlungsfelder des Betrieblichen Gesundheitsmanagements mit Männern zu informieren und zu diskutieren.

Zur Anmeldung und zum Programm: www.mann-was-geht.de/professionals

Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme!

Ihr Team der Landesvereinigung für Gesundheit und Akademie für Sozialmedizin Niedersachsen e. V. | Martin Schumacher und Lennart Semmler

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