Statt Karnevalsauftakt: Online-Meetings zu „Alkohol“ am 11.11. und „Schlaf“ am 17.11. um 18:30

Gesundheit ins Gespräch bringen

Der Karnevalsauftakt in diesem Jahr fällt komplett flach. Seit Beginn der Corona-Krise sind viele gewohnte Zusammenkünfte nicht mehr möglich. Vieles wurde nach Hause verlegt: Arbeit, Freizeit, aber auch oft die Treffen mit Freunden und Bekannten, welche nun – so gut es geht – per Skype oder WhatsApp stattfinden. Immerhin bleiben das Feierabendbier und das Glas Rotwein zur Entspannung erhalten. Ist das eigentlich eine gute oder eine schlechte Nachricht? Alkohol zuhause, ist das okay? Wie viel Alkohol brauche ich jetzt zur Entspannung, wenn der Corona-Stress mich unentspannt macht?

Alkohol und ich – was geht? Darüber sprechen wir am 11.11.2020 mit Prof. Dr. Heino Stöver, Professor für sozialwissenschaftliche Suchtforschung an der Frankfurt University of Applied Sciences und Experte für Fragen rund um die Themen Mann sein, Männlichkeit und Alkohol.

Darüber hinaus bieten wir am 17.11.2020 ein Online-Meeting zum Thema „Schlaf – die Wellness-Tankstelle für Männer“ mit Prof. Dr. Ingo Fietze, Leiter des Interdisziplinären Schlafmedizinischen Zentrums an der Charité – Universitätsmedizin Berlin, an.

Meeting-Zeiten jeweils 18.30 – 20.00 Uhr

Zu den Anmeldungen: https://www.mann-was-geht.de/mwg-interaktiv/

Die kostenfreien Online-Meetings werden mithilfe des Anbieters zoom.us umgesetzt und finden im Rahmen unseres Projekts „Mann, was geht?! – Förderung der psychischen Gesundheit von Männern“ statt.

Leiten Sie diese Information gerne an Interessierte weiter. Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme!

Lennart Semmler, Martin SchumacherLandesvereinigung für Gesundheit und Akademie für Sozialmedizin Niedersachsen, Hannover

15 Jahre Netzwerk – ein Statement von Gründungsmitglied Thomas Altgeld, Hannover

Als Vertreter des Netzwerks Jungen- und Männergesundheit wurde Thomas Altgeld 2017 in den Vorstand des Bundesforums Männer gewählt. 2019 wählte ihn dann die Mitgliederversammlung des Bundesforums zum Nachfolger seines Gründungsvorsitzenden Martin Rosowski.

1. Was hat mich 2005 zur Mit-Gründung des Netzwerks motiviert?

Ich hatte 2003 den ersten gesundheitswissenschaftlichen Sammelband zu Männergesundheit herausgegeben, eher beiläufig, aber mit Herzblut. Im Anschluss war ich doch sehr erstaunt, wie schnell man damit zum „Experten“ für Männergesundheit avanciert, obwohl die Herausgabe eher eine Suchbewegung war als eine theoretische Setzung.

Das Thema hat mich dann professionell und persönlich gepackt, deshalb ist auch relativ schnell der Wunsch nach mehr Vernetzung und Austausch entstanden.

Das war seinerzeit einfach eine sehr überschaubare Zahl von engagierten und sehr heterogenen Männern, die dem Thema überhaupt Bedeutung beimaßen.

2. Was hat sich seither im Bereich Jungen- und Männergesundheit verändert?

Jungen- und Männergesundheit ist kein Thema für wenige Enthusiasten mehr, sondern hat einen höheren Stellenwert erhalten. Es ist sogar gesetzlich verankert worden im Präventionsgesetz 2015, das heißt alle gesetzlichen Krankenversicherungen müssen in der Leistungsgewährung die besonderen Bedarfe beider Geschlechter berücksichtigen.

Das SGB V zur gesetzlichen Krankenversicherung ist heute das einzige gegenderte Sozialgesetzbuch neben dem SGB VIII. Eine so schnelle gesetzliche Verankerung hätte 2005 niemand erwartet.

Man muss allerdings sagen, dass die Umsetzungspraxis der Leistungserbringer im Gesundheitswesen dem noch hinterherhinkt, aber auch da tut sich was. Zudem ist die Datenlage deutlich besser geworden, mehrere Männergesundheitsberichte auf unterschiedlichen Ebenen machen nun klar, wo Männer und Jungen gesundheitlich stehen, und räumen dabei nicht selten mit tiefsitzenden Vorurteilen auf. Seit 2018 gibt es eine Männergesundheitsstrategie der WHO Europa, die das Wohlbefinden und die Gesundheit von Männern stärken soll, auch das ist ein riesiger Fortschritt.

3. Was hat sich für mich persönlich verändert durch mein Engagement für Jungen- und Männergesundheit?

Ich habe viele geschlechtshomogene Gruppen und Männerversammlungen gemacht seitdem, sicher mehrere Hundert in sehr unterschiedlichen Kontexten, z.B. in Jobcentern, Ministerien, Betrieben oder Gesundheitseinrichtungen. Dabei habe ich erlebt, wie sehr Gesundheit ein Thema für Männer ist und wie wenig Möglichkeiten unterm Strich bestehen, offen darüber zu sprechen, Sorgen oder Ängste, aber auch Erfolge zu kommunizieren. Ich selbst habe das Thema zunächst behandelt wie jedes andere Thema in meinem Berufskontext auch, aber ich habe dann gemerkt, wieviel es mit mir selbst zu tun hat.

Auch wenn es banal klingt und ich sicher kein Idealgewicht habe, würde ich sagen, ich achte mehr auf mich.

Neben der persönlichen Ebene hat sich auch die politische Ebene der Männergesundheit für mich verändert, ich bin nun seit über einem Jahr Vorsitzender des Bundesforums Männer, d.h. ich kann Gesundheit auch zum zentralen Handlungsfeld männerorientierter Gleichstellungspolitik machen und tue das auch.

Thomas Altgeld, Geschäftsführer der Landesvereinigung für Gesundheit und Akademie für Sozialmedizin Niedersachsen, Hannover

15 Jahre Netzwerk Jungen- und Männergesundheit – Online-Treffen Fr 6.11.2020 14:00 – 16:00, Anmeldung hier

15 Jahre Netzwerk – ein Statement von Gründungsmitglied Gunter Neubauer, Tübingen

Gunter Neubauer koordiniert seit 2014 zusammen mit Stefan Beier und Matthias Stiehler das Netzwerk und vertritt es in der Fachgruppe Jungen und junge Männer im Bundesforum Männer.

1. Was hat mich 2005 zur Mit-Gründung des Netzwerks motiviert?

Zu Beginn der 2000er Jahre wurde die neue Gleichstellungsstrategie des Gender Mainstreaming diskutiert und eingeführt. Damit stieg die Erwartung, dass wichtige Gleichstellungsthemen für Jungen und Männer wie Gesundheit, Wohlbefinden und Lebenserwartung nun auch stärker in den politischen und gesellschaftlichen Diskurs kommen werden. Allerdings zeigte sich schnell, dass hier noch einige Vorbehalte und Widerstände zu überwinden waren – und eigene Aktivität gefordert ist. Auch einige frühe, vorzeitige Todesfälle von Männern im Familien- und Bekanntenkreis haben mich damals zum Nachdenken gebracht.

2. Was hat sich seither im Bereich Jungen- und Männergesundheit verändert?

Unser Thema ist präsenter geworden und findet endlich auch einen stärkeren Niederschlag in der Gesundheitsberichterstattung. Gleichzeitig stoßen wir noch oft auf alte Vorurteile und Zuschreibungen, die männliche Problemlagen biologisieren, auf die Verhaltensebene reduzieren oder individualisieren. Das gilt für die medizinische Versorgung, aber auch für Prävention, Gesundheitsbildung und -förderung. Im politischen Bereich wird Jungen- und Männergesundheit heute (zumindest nominell) häufiger angesprochen, oft aber ohne dass sich daran ein sichtbarer Gestaltungswille anschließt. Bei vielen jüngeren Männern sehe ich den Wunsch, sich nicht allein im Beruflichen zu verausgaben und ein gesünderes, vielfältigeres Leben zu realisieren.

3. Was hat sich für mich persönlich verändert durch mein Engagement für Jungen- und Männergesundheit?

Ich habe viele kompetente, engagierte und nette Kollegen in ganz Deutschland kennengelernt und auch einige Kolleginnen, die sich alle in ihren Zusammenhängen für Jungen- und Männergesundheit einsetzen. Daraus haben sich gemeinsame Vorhaben und Aktivitäten entwickelt, die immer wieder in Veranstaltungen und Projekte gemündet sind. In unserem Bundesland Baden-Württemberg versuche ich, auf lokaler und regionaler Ebene etwas zu bewegen, und nicht zuletzt im Bundesforum Männer gibt es Entwicklungsraum für mehr Männergesundheit. Insgesamt haben sich meine beruflichen Aktivitäten von einem Schwerpunkt Jungenpädagogik mehr in den Bereich der Männergesundheit verlagert, und auch vom Lebensalter her ist mir eine gute, gesunde Lebensbalance inzwischen wichtiger geworden.

Gunter Neubauer, SOWIT – Sozialwissenschaftliches Institut Tübingen

15 Jahre Netzwerk Jungen- und Männergesundheit – Online-Treffen Fr 6.11.2020 14:00 – 16:00, Anmeldung hier

15 Jahre Netzwerk – ein Statement von Gründungsmitglied Stefan Beier, Berlin und Dresden

Unser Gründungsmitglied Stefan Beier, ab 2010 auch langjähriges (Gründungs-) Vorstandsmitglied im Bundesforum Männer, ist der erste Bildungsreferent für Männergesundheit in Sachsen.

1. Was hat mich 2005 zur Mit-Gründung des Netzwerks motiviert?

Ich wollte dazu beitragen, dass Männer gesünder werden und dass die Fachwelt endlich für männerspezifische Bedarfe sensibilisiert wird.
Es war sehr offensichtlich, dass der Gesundheitsbereich blinde Genderflecken hatte. Es wurde recht viel darüber gesprochen, dass die medizinische Forschung Frauen nicht im Blick hatte, aber wenig darüber, dass Männer vom Sozial- und Gesundheitswesen kaum als Adressaten registriert wurden.

Es hieß: Männer leben einfach ungesünder und sterben früher – das wurde achselzuckend zur Kenntnis genommen.

Die zumindest in der Männerfachszene immer offenkundiger zutage tretenden Defizite seitens der Experten und Anbieter als auch die mangelnde Selbstsorge von Männern riefen nach Aktion, es musste sich was ändern. Schon Jahre vorher gab es in Bielefeld ein Treffen von Akteuren, die einen Männergesundheitsbericht anstoßen wollten. Die vereinzelt aktiven, aber sehr motivierten Männer in der Fachszene zu vernetzen war naheliegend, um gemeinsam mehr voranzubringen.

2. Was hat sich seither im Bereich Jungen- und Männergesundheit verändert?

Das Thema hat sich in die Breite und in die Tiefe entwickelt. Es gibt viel mehr Akteure im Feld, in Forschung und Praxis, viel mehr Diversifizierung. Die Stiftung Männergesundheit wurde gegründet und hat viel vorangebracht. Es gibt etliche Männergesundheitsberichte und zahlreiche weitere Veröffentlichungen, Veranstaltungen etc. Die BZgA hat das Männergesundheitsportal eingerichtet und veranstaltet regelmäßig Tagungen.

Es gibt in der Medizin die offizielle Zusatzbezeichnung „Männerarzt“, leider mehr als Alibi denn als sinnvolle Neuerung.

Das Netzwerk hat an Interesse und Zulauf gewonnen, wenngleich die Jungengesundheit oft unterbelichtet bleibt. Und gaaanz langsam kommt das Thema auch ab und zu in der Politik an – oder sogar bei Fördergebern: Im Land Sachsen gibt es den ersten, aus Landesmitteln finanzierten „Bildungsreferenten Männergesundheit“ bundesweit. Es sind immer noch Anfänge, aber bekanntermaßen braucht es ja „ein starkes langsames Bohren von harten Brettern mit Leidenschaft und Augenmaß zugleich“ (Weber).

3. Wie hat sich für mich persönlich verändert durch mein Engagement für Jungen- und Männergesundheit?

Mal vorab: Viel gesünder geworden bin ich nicht. Das hätte besser laufen können. Damit bin ich aber in guter Gesellschaft, denn auch allgemein gilt: Bis zum im Schnitt gesunden Mann, mit guter Selbstsorge und Gesellschaftsbedingungen, die das erlauben, ist es noch ein sehr weiter Weg. Darum wird es hauptsächlich gehen in Zukunft: Wie kann das viel mehr gefördert und etabliert werden?

Für mich persönlich ist die Männergesundheit ein selbstverständlicher Teil meines Arbeitsfeldes geworden, nicht mehr nur Ehrenamt wie noch bei der Gründung.

Vor allem aber habe ich im Laufe der Jahre eine Vielzahl von tollen und zugewandten Männern (und neuerdings auch Frauen) kennengelernt, die sich engagieren und denen ich mich kollegial und freundschaftlich verbunden fühle. Vor allem die Netzwerktreffen atmen diesen Geist und tun immer auch Körper, Herz und Seele gut, nicht nur dem Verstand. Ohne diese Zusammenarbeit wäre die Männergesundheit nicht nur ärmer, sondern auch anstrengender.

Stefan Beier, Bildungsreferent Männergesundheit bei der Landesfachstelle Männerarbeit Sachsen, Dresden

15 Jahre Netzwerk Jungen- und Männergesundheit – Online-Treffen Fr 6.11.2020 14:00 – 16:00, Anmeldung hier

15 Jahre Netzwerk – ein Statement von Gründungsmitglied Andreas Haase, Detmold

Auch Andreas Haase, bis 2014 zusammen mit Alexander Bentheim (Hamburg) Herausgeber von »Switchboard. Zeitschrift für Männer und Jungenarbeit« im Verlag Männerwege, war von Anfang an im Netzwerk dabei.

1. Was hat mich 2005 zur Mit-Gründung des Netzwerks motiviert?

Gesundheit hielt und halte ich für eines der zentralen Themen im Leben von Jungen und Männern. Dabei fasse ich den Gesundheitsbegriff sehr weit – nicht nur als die Abwesenheit von Krankheit. Daraus resultiert für mich, dass es dann auch zwangsläufig um männliche Sozialisation und den damit verbundenen Umgang der Männer mit ihren Körpern und ihrer Seele geht.

2. Was hat sich seither im Bereich Jungen- und Männergesundheit verändert?

Jungen- und Männergesundheit hat mittlerweile einen Platz in der öffentlichen Gesundheitsdiskussion bekommen. Eine geschlechterspezifische Sicht auf das Thema Gesundheit ist auch bezogen auf Jungen und Männer gewachsen und aus diesem Diskurs nicht mehr wegzudenken.

3. Was hat sich für mich persönlich verändert durch mein Engagement für Jungen- und Männergesundheit?

Neben der professionellen Qualifizierung und Umsetzung in Beratungs- und Therapieprozessen ist das eindeutig der veränderte Umgang mit meinem eigenen Körper und meiner seelischen Verfassung – mehr Achtsamkeit, Selbstwahrnehmung und Wachsamkeit gegenüber meinen Wünschen und Bedürfnissen.

Andreas Haase, Detmold

15 Jahre Netzwerk Jungen- und Männergesundheit – Online-Treffen Fr 6.11.2020 14:00 – 16:00, Anmeldung hier

15 Jahre Netzwerk – ein Statement von Gründungsmitglied Reinhard Winter, Tübingen

Wir setzen unsere Netzwerk-Reihe fort mit einem Statement unseres Gründungsmitglieds Reinhard Winter. In den Anfangsjahren des Netzwerks hat er von 2007 bis 2013 mit der regelmäßigen Zusammenstellung und dem Versand von insgesamt 53 Newslettern für eine gute inhaltliche Basis zum Fachaustausch gesorgt.

1. Was hat mich 2005 zur Mit-Gründung des Netzwerks motiviert?

Eine gefühlte Unzufriedenheit über den unterentwickelten Zustand von Theorie und Praxis der Jungen- und Männergesundheit. Dazu kamen Kontakte zu interessanten Männern, die sich fachlich und persönlich mit Männergesundheiten beschäftigt haben, aber dabei nichts oder wenig miteinander zu tun hatten. Und die Lust am gemeinsamen Verändern und Entwickeln der Thematik.

2. Was hat sich seither im Bereich Jungen- und Männergesundheit verändert?

Gemessen am Stand vorher hat sich sehr viel verändert: Jungen- und Männergesundheit wurde fachlich und in Medien salonfähig, ein selbstverständliches Thema. Absolut gesehen hat sich allerdings nicht so viel entwickelt, viele Bereiche – etwa Medizin, Gesundheitsförderung, politische Verwaltung, Krankenkassen – sind noch fast gänzlich frei vom Reflektieren über Jungen- und Männergesundheiten.

3. Was hat sich für mich persönlich verändert durch mein Engagement für Jungen- und Männergesundheit?

Das Thema hat mich unbezahlt viel beschäftigt und immer wieder ein wenig zu meiner sozialen (ökonomischen) Gesundheit beigetragen. Ich gehe offensiver mit meinen eigenen Männergesundheitsthemen und -fragen um und bin mutiger dabei, auch andere Männer mit Gesundheitsthemen anzusprechen.

Dr. Reinhard Winter, SOWIT – Sozialwissenschaftliches Institut Tübingen

15 Jahre Netzwerk Jungen- und Männergesundheit – Online-Treffen Fr 6.11.2020 14:00 – 16:00, Anmeldung hier

15 Jahre Netzwerk – ein Statement von Gründungsmitglied Matthias Stiehler, Dresden

Wir beginnen heute eine kleine Reihe mit Statements von Gründungsmitgliedern des Netzwerks. Als erster hat uns Matthias Stiehler geantwortet. Wir hoffen, dass das schon mal Appetit auf den 6. November macht – und laden zur Kommentierung ein.

1. Was hat mich 2005 zur Mit-Gründung des Netzwerks motiviert?

Nachdem ich mich bereits in den Neunzigern in Dresden für das Thema Männergesundheit eingesetzt hatte und beispielsweise auch Männerwochenenden anbot, schien es mir 2001 mit Erscheinen des bundesdeutschen Frauengesundheitsberichts notwendig, auch einen vergleichbaren Männergesundheitsbericht zu fordern. In Absprache mit Klaus Hurrelmann gründete ich eine entsprechende Initiative, die bei einem Treffen im März 2002 in Bielefeld diese Forderung gegenüber der Bundesregierung öffentlich machte. Diese Forderung wurde abgelehnt. Positiv fand ich damals, dass sich aus der Initiative heraus die zuvor bereits bestehenden Netzwerke verstärkten und weitere Akteure auf der Bildfläche erschienen. In den folgenden drei, vier Jahren entstand dann offensichtlich das Bedürfnis, diese Netzwerke auf festeren Boden zu stellen. Es wurde die Deutsche Gesellschaft für Mann und Gesundheit (DGMG) gegründet, das Netzwerk Jungen- und Männergesundheit sowie die Stiftung Männergesundheit.

Mir war dabei wichtig, dass es zu einem regelmäßigen Austausch kommt, sich die handelnden Akteure besser kennenlernen, die Fachlichkeit vorangetrieben wird und auch Initiativen entstehen, die das Thema Männergesundheit stärker als zuvor in die Öffentlichkeit und die Politik bringen. Der besondere Reiz des Netzwerks Jungen- und Männergesundheit bestand in seiner sozialwissenschaftlichen Ausrichtung. Mir war zwar als Gründungsmitglied der DGMG auch wichtig, den Austausch zwischen Medizinern und Sozialwissenschaftlern zu fördern, aber dort war das Übergewicht der Ärzte gegeben.

Ein weiterer wichtiger Punkt, der mir am Netzwerk Jungen- und Männergesundheit wichtig war, ist der fachliche Austausch, der nicht immer gleich zweckgerichtet ist. Das gab es sonst eigentlich nicht.

2. Was hat sich seither im Bereich Jungen- und Männergesundheit verändert?

Zu wenig. Das Anliegen, das Thema Jungen- und Männergesundheit stärker als zuvor in der Gesellschaft zu verankern, ist nur zum Teil aufgegangen. Jungen- und Männergesundheit scheint immer noch ein Randthema zu sein – insbesondere in der Politik. Andererseits müssen wir auch sehen, dass vor allem die unterschiedlichen Männergesundheitsberichte über die Jahre Aufmerksamkeit gebracht haben. Im allgemeinen Bewusstsein scheint mir Männergesundheit jedoch kaum verankert. Auch die alten Klischees werden medial immer weiter bemüht (Vorsorgemuffel, wenig auf ihre Gesundheit achtend) und ein geschlechtsspezifischer Blick bei der Konzeption von gesundheitsfördernden und präventiven Projekten gibt es noch zu selten.

Die Bretter sind weiterhin dick, die wir bohren müssen. Aber einige Bohrungen konnten wir schon anbringen.

3. Was hat sich für mich persönlich verändert durch mein Engagement für Jungen- und Männergesundheit?

Ich bin nicht nur in der Männergesundheit tätig, sondern leite auch Männergruppen und führe mit meiner Frau Paarberatungen durch. Hier ist mein Wissen über, aber auch meine Beschäftigung mit Männergesundheit hilfreich.

Für mich ist Männergesundheit immer auch ein Zugang zum „Mann an sich“ und seine gesellschaftliche Stellung. Für mich ist Männergesundheit auch politisches Engagement.

Das Wissen, das ich mir auf dem Weg erworben habe, kommt mir auch persönlich zugute. Ich gehe viel bewusster beispielsweise mit meiner Vorsorge um und ermahne mich zur Selbstachtsamkeit.

Dr. Matthias Stiehler, DIEG – Dresdner Institut für Erwachsenenbildung und Gesundheitswissenschaft e.V.

15 Jahre Netzwerk Jungen- und Männergesundheit – Online-Treffen Fr 6.11.2020 14:00 – 16:00, Anmeldung hier

Bremen 30.10. – Jungen- und Männergesundheit in heterogenen Arbeitsfeldern

Koordinierungsstelle Gesundheitliche Chancengleichheit Bremen

Fortbildungsreihe: »Gesundheit konkret!« – Methoden, Austausch und Ideenentwicklung in der Gesundheitsförderung und Prävention

Jungen- und Männergesundheit – verstehen, ansprechen und voranbringen in heterogenen Arbeitsfeldern

Freitag 30. Oktober 2020, 10.00 bis 17.00 Uhr, etage° Bremen

mit Thomas Altgeld, LVG & AFS Niedersachsen

Themen der Fortbildung

  • Wie können Gesundheits- und Krankheitsverhalten, Risiko- und Schutzfaktoren von Jungen und Männern sowie die Zusammenhänge mit Geschlechterrollenerwartungen eingeordnet werden?
  • Was sind die Grundlagen erfolgreicher Gesundheitskommunikation?
  • Wie kann man oder frau in unterschiedlichen Arbeitsbereichen Gesundheit von Jungen und Männern zum Thema machen und ihre gesundheitlichen Ressourcen stärken?