Auf zu einer Männergesundheitsstrategie! Das Beispiel der Förderung psychischer Gesundheit

Bericht vom Auftakt-Workshop am 13. April 2021

Viele gute Ansätze zur Förderung der Gesundheit von Männern haben sich in den letzten Jahren etabliert. Im Gesundheitssystem setzt sich – in moderatem Tempo, aber doch zunehmend – die Erkenntnis durch, dass sich Frauen und Männer nicht nur biologisch unterscheiden, sondern auch in ihrem Gesundheits- und Risikoverständnis, ihrer Körper- und Rollenwahrnehmung und ihrem Nutzungsverhalten von Angeboten der Gesundheitsförderung und Prävention sowie der Gesundheitsversorgung.

Mittlerweile gibt es diverse Strategien, um Männer wirksamer für Gesundheitsthemen zu sensibilisieren, zu mehr Gesundheitsfürsorge zu motivieren und im Krankheitsfall effektiver zu versorgen. Die Angebote sind jedoch in der Regel „Insellösungen“ – man findet Projekte, Kampagnen und Aktionen von begrenzter Dauer, jedoch ergeben die Puzzleteile noch kein Gesamtbild.

Das Netzwerk Jungen- und Männergesundheit, das Bundesforum Männer und die Stiftung Männergesundheit haben nun die Initiative ergriffen, um die Puzzleteile zusammenzusetzen und die noch fehlenden zu beschaffen. Anlässlich der fünfzehnjährigen Jubiläumsveranstaltung des Netzwerks Jungen- und Männergesundheit wurde Ende 2019 beschlossen, einen Auftakt zur Entwicklung einer nationalen Männergesundheitsstrategie für Deutschland zu installieren.

Eine Vorbereitungsgruppe aus den genannten Institutionen entwickelte mit freundlicher Unterstützung des Bundesministeriums für Gesundheit (und wieder einmal hervorragendem Support durch LVG & AFS Niedersachsen, GN) einen Auftakt-Workshop unter dem Motto „Auf zu einer Männergesundheitsstrategie!“ Die Vorbereitungsgruppe analysierte nationale Männergesundheitsstrategien verschiedener Länder wie Australien, Irland und Brasilien und erörterte Transferperspektiven für den deutschen Kulturraum und das hiesige politische System. Besonderes Augenmerk wurde auf die WHO-Euro-Strategie zur Männergesundheit (The health and well-being of men in the WHO European Region, 2018) gelegt, die den Mitgliedsländern konkrete Ziel- und Handlungsempfehlungen vermittelt.

Weitere Analysen zur epidemiologischen Relevanz führten zu einer Fokussierung auf die psychische Gesundheit von Männern. Es wurde ein Workshopprogramm entlang der Handlungsfelder – von der Gesundheitsförderung über Präventionsstufen bis hin zu Intervention und Nachsorge – entwickelt.

Der Workshop fand am 13. April 2021 mit etwa zwanzig ausgewählten Expert*innen des deutschen Gesundheitswesens, moderiert durch Gunter Neubauer (Netzwerk Jungen- und Männergesundheit) und Thomas Altgeld (Bundesforum Männer), online via Zoom statt. Beiträge des Bundesministeriums für Gesundheit und der Stiftung Männergesundheit vermittelten eine politische und epidemiologische Orientierung zum Status quo der Förderung der psychischen Gesundheit von Männern. Arbeitsgruppen vertieften die Aspekte

  • Gesundheitsbildung
  • Gesundheitsförderung und Prävention sowie Gesundheitsversorgung
  • Aus- und Fortbildung für Gesundheits- und Bildungsberufe sowie
  • Forschung.

Bedarf es nun einer konkreten Strategie für eine übergeordnete Koordinierung der vorhandenen und zu wünschenden Maßnahmen? Im Workshop wurde dies grundsätzlich bejaht. Die Arbeitsgruppen identifizierten zahlreiche Bedarfe: Von einer besseren Datenlage über modernere Bildungs- und Versorgungskonzepte bis hin zur Überwindung von Geschlechterklischees in Maßnahmenentwicklungen. Eine ganzheitliche Strategie kann hier Orientierung geben.

Mit dem Auftakt-Workshop wurden erste Erkenntnisse gesammelt und mögliche Wege zur Einführung einer nationalen Männergesundheitsstrategie skizziert. Zentrales Kriterium: Die Strategie soll die erwähnten „Insellösungen“ zu einem Gesamtbild zusammenfügen, ohne selbst eine solche „Insel“ zu werden. Die Reflektion von Diversität innerhalb der Dialoggruppe Männer und das kooperative Einvernehmen mit Strategien zur Förderung der Gesundheit von Frauen und von nichtbinären Personen ist zentrales Merkmal ihrer Entwicklung und ihrer Implementation.

Als Folgeaktivitäten wurden verabredet, weitere Schnittstellen (zum Beispiel in Gleichstellung-, Bildungs- und Wissenschaftspolitik) zu betrachten sowie politische und zivilgesellschaftliche Fürsprache zu gewinnen. Das Bundestagswahljahr 2021 bietet die Chance, für die Notwendigkeit der Einführung einer nationalen Männergesundheitsstrategie zu sensibilisieren und den Bedarf für die Regierungsarbeit der kommenden Legislaturperiode anzumelden.

Viele OECD-Länder sind bereits dabei vorangeschritten, Männergesundheit auf ein nachhaltigeres, zukunftsweisendes Fundament zu heben. Es ist an der Zeit, dass auch die Bundesrepublik Deutschland ihrer Gesundheitspolitik ein Update einspielt!

Martin Schumacher

Fachreferent, Landesvereinigung für Gesundheit und Akademie für Sozialmedizin Niedersachsen e. V.
Fenskeweg 2 | 30165 Hannover
Telefon: 0511 / 388 11 89 – 34

E-Mail: martin.schumacher@gesundheit-nds.de
Internet: http://www.gesundheit-nds.de


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