RKI-Bericht: Gesundheitliche Lage der Frauen in Deutschland

Titelseite des Frauengesundheitsberichts

Bereits am 9. Dezember 2020 wurde der aktuelle Frauengesundheitsbericht des RKI vorgestellt. Er bietet zunächst einen Überblick zu Erkrankungen und Gesundheitsstörungen, zum Gesundheitsverhalten sowie zur Prävention und Gesundheitsversorgung. Entlang der Lebenslaufperspektive geht es dann um Mädchengesundheit, Frauen im Erwerbsalter und ältere Frauen. Ein Fokuskapitel reflektiert Frauengesundheit im Migrationskontext. Sexuelle und reproduktive Gesundheit, gesundheitliche Auswirkungen von Gewalt sowie ein europäischer Vergleich sind weitere Themen vor einem kurzen abschließenden Fazit.

Bei einer grundsätzlich erfreulichen intersektionalen und binnendifferenzierenden Perspektive ist ein Problem bisheriger Gesundheitsberichterstattung leider auch im Frauengesundheitsbericht nicht immer zufriedenstellend gelöst: Wenn es um die Darstellung geschlechtervergleichende Daten geht, entsteht im Subtext gerne mal eine wertende Tendenz – Wer macht es besser, wer schlechter, und wer ist besser, wer schlechter dran?

Dass die Datengrundlage teilweise nicht die aktuellste ist, kann den Autor:innen nicht angelastet werden, ebenso nicht die Tatsache, dass sich der Bericht als „politischer“ Bericht der Ableitung von Empfehlungen, Forderungen, Maßnahmen oder Strategien weitgehend enthalten muss. Das wäre jedoch unabdingbar, wenn Daten und Berichte auch etwas bewirken sollen, und bleibt mithin wohl weiter Aufgabe der Zivilgesellschaft.

Aufschlussreich ist die mediale Resonanz auf den Frauengesundheitsbericht, der gerne als „erster“ präsentiert oder rezipiert wird. Das vergisst, dass der erste Frauengesundheitsbericht der Bundesregierung bereits 2001 veröffentlicht wurde. Dieser hat, nebenbei bemerkt, entscheidend mit zur Frage nach der Männergesundheit beigetragen, sowie – nach vergeblichen Versuchen, damit auch im politischen Raum Gehör zu finden – zur Gründung unseres Netzwerks, der Stiftung Männergesundheit und weiterer Lobby-Organisationen. Der RKI-Männergesundheitsbericht von 2014 war mit ein Erfolg dieser Bemühungen. 

Wie viel noch zu tun ist, zeigt ein Blick auf die Deutsche Apothekerzeitung, die dem Frauengesundheitsbericht eine ganze Banalität entnimmt: „Männer und Frauen sind anders“. Das Ärzteblatt dagegen titelt: „Robert-Koch-Institut nimmt erstmals Gendermedizin in den Fokus“ – Das klingt zwar recht schick, ist aber falsch. Dass sich der Frauengesundheitsbericht nicht in gendermedizinischen Betrachtungen erschöpft, ist dort wohl nicht aufgefallen.

Interessant: Den Forderungen nach einem Männergesundheitsbericht Anfang der 2000er-Jahre wurde gerne entgegen gehalten, dass künftig alle Gesundheitsberichterstattung prinzipiell gegendert werde und sich geschlechterspezifische Berichte nach Berücksichtigung des Gender Mainstreamings sowieso erübrigen würden… Dass inzwischen beides geht und das Präventionsgesetz seit 2015 mit SGB V § 2b nochmals anordnet, „geschlechtsspezifischen Besonderheiten Rechnung zu tragen“, zeigt, dass Gesundheitspolitik und -berichterstattung sich hier doch weiterentwickelt haben.

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