15 Jahre Netzwerk – ein Statement von Gründungsmitglied Thomas Altgeld, Hannover

Als Vertreter des Netzwerks Jungen- und Männergesundheit wurde Thomas Altgeld 2017 in den Vorstand des Bundesforums Männer gewählt. 2019 wählte ihn dann die Mitgliederversammlung des Bundesforums zum Nachfolger seines Gründungsvorsitzenden Martin Rosowski.

1. Was hat mich 2005 zur Mit-Gründung des Netzwerks motiviert?

Ich hatte 2003 den ersten gesundheitswissenschaftlichen Sammelband zu Männergesundheit herausgegeben, eher beiläufig, aber mit Herzblut. Im Anschluss war ich doch sehr erstaunt, wie schnell man damit zum „Experten“ für Männergesundheit avanciert, obwohl die Herausgabe eher eine Suchbewegung war als eine theoretische Setzung.

Das Thema hat mich dann professionell und persönlich gepackt, deshalb ist auch relativ schnell der Wunsch nach mehr Vernetzung und Austausch entstanden.

Das war seinerzeit einfach eine sehr überschaubare Zahl von engagierten und sehr heterogenen Männern, die dem Thema überhaupt Bedeutung beimaßen.

2. Was hat sich seither im Bereich Jungen- und Männergesundheit verändert?

Jungen- und Männergesundheit ist kein Thema für wenige Enthusiasten mehr, sondern hat einen höheren Stellenwert erhalten. Es ist sogar gesetzlich verankert worden im Präventionsgesetz 2015, das heißt alle gesetzlichen Krankenversicherungen müssen in der Leistungsgewährung die besonderen Bedarfe beider Geschlechter berücksichtigen.

Das SGB V zur gesetzlichen Krankenversicherung ist heute das einzige gegenderte Sozialgesetzbuch neben dem SGB VIII. Eine so schnelle gesetzliche Verankerung hätte 2005 niemand erwartet.

Man muss allerdings sagen, dass die Umsetzungspraxis der Leistungserbringer im Gesundheitswesen dem noch hinterherhinkt, aber auch da tut sich was. Zudem ist die Datenlage deutlich besser geworden, mehrere Männergesundheitsberichte auf unterschiedlichen Ebenen machen nun klar, wo Männer und Jungen gesundheitlich stehen, und räumen dabei nicht selten mit tiefsitzenden Vorurteilen auf. Seit 2018 gibt es eine Männergesundheitsstrategie der WHO Europa, die das Wohlbefinden und die Gesundheit von Männern stärken soll, auch das ist ein riesiger Fortschritt.

3. Was hat sich für mich persönlich verändert durch mein Engagement für Jungen- und Männergesundheit?

Ich habe viele geschlechtshomogene Gruppen und Männerversammlungen gemacht seitdem, sicher mehrere Hundert in sehr unterschiedlichen Kontexten, z.B. in Jobcentern, Ministerien, Betrieben oder Gesundheitseinrichtungen. Dabei habe ich erlebt, wie sehr Gesundheit ein Thema für Männer ist und wie wenig Möglichkeiten unterm Strich bestehen, offen darüber zu sprechen, Sorgen oder Ängste, aber auch Erfolge zu kommunizieren. Ich selbst habe das Thema zunächst behandelt wie jedes andere Thema in meinem Berufskontext auch, aber ich habe dann gemerkt, wieviel es mit mir selbst zu tun hat.

Auch wenn es banal klingt und ich sicher kein Idealgewicht habe, würde ich sagen, ich achte mehr auf mich.

Neben der persönlichen Ebene hat sich auch die politische Ebene der Männergesundheit für mich verändert, ich bin nun seit über einem Jahr Vorsitzender des Bundesforums Männer, d.h. ich kann Gesundheit auch zum zentralen Handlungsfeld männerorientierter Gleichstellungspolitik machen und tue das auch.

Thomas Altgeld, Geschäftsführer der Landesvereinigung für Gesundheit und Akademie für Sozialmedizin Niedersachsen, Hannover

15 Jahre Netzwerk Jungen- und Männergesundheit – Online-Treffen Fr 6.11.2020 14:00 – 16:00, Anmeldung hier

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