Was bringt uns der Koalitionsvertrag?

Im Koalitionsvertrag 2013 stand zu (Männer-) Gesundheit:

„Darüber hinaus werden wir (…) die ärztlichen Vorsorgeuntersuchungen bei Erwachsenen stärken. (…) Wir wollen die jeweiligen Besonderheiten berücksichtigen, die sich aus der Frauen- und Männergesundheitsforschung insbesondere für die gesundheitliche Versorgung und die Erarbeitung von medizinischen Behandlungsleitlinien ergeben.“ (S. 82)

Bemängelt wurde seinerzeit die einseitige Priorisierung von Vorsorgeuntersuchungen (eigentlich müsste das ja Früherkennung heißen…), außerdem fehlte neben Versorgung und Behandlung komplett die Gesundheitsbildung und -förderung, die natürlich ebenso geschlechtsspezifische Themen und Lebenslagen berücksichtigen müsste.

Leider ist von diesem Wenigen im Koalitionsvertrag 2018 gar nichts mehr zu finden, das Stichwort Männergesundheit fehlt. Stattdessen lesen wir diese Aussage:

 „Zeitgemäße Gleichstellungspolitik nimmt auch Jungen und Männer in den Blick. Auch sie müssen sich auf gesellschaftliche Entwicklungen und neue Anforderungen einstellen. Dies wollen wir politisch unterstützen.“ (1027-1029)

So richtig zeitgemäß klingt das nun gerade nicht, man könnte hier auch einen Rückfall in veraltete Gleichstellungspolitik sehen – denn was Jungen und Männer selbst wollen bzw. dass viele ihre Lebensgestaltung auch selbst entwickeln und verändern möchten, ist hier jedenfalls nicht im Blick. Dafür kommen Vorsorge- und Früherkennungsangebote wieder auf den Tisch:

„Mit Blick auf Vorsorge- und Früherkennungsangebote sowie Rehabilitation sollen die Akteure im Gesundheitswesen verstärkt mehrsprachige gesundheitsfördernde Angebote unterbreiten, die die Betroffenen auch wirklich erreichen.“ (4955-4958)

Auch hier zeigt sich wieder die Gleichsetzung von Vorsorge und Früherkennung mit Gesundheitsförderung. Mehrsprachige Angebote sind ja löblich, aber Gesundheitsförderung ist mehr und etwas anderes, als die Vorsorgequote zu erhöhen.

Außerdem soll ein Eckpunktepapier zur Weiterentwicklung des Präventionsgesetzes vorgelegt werden (4705-4708) – hier wäre eine substanziell erkennbare jungen-und männerbezogene Berücksichtigung der gesetzlichen Vorgaben zu fordern:

§ 2b PrävG „Bei den Leistungen der Krankenkassen ist geschlechtsspezifischen Besonderheiten Rechnung zu tragen.“ => jungen- und männerspezifischen Besonderheiten Rechnung tragen!

§ 20 PrävG „Die Leistungen sollen insbesondere zur Verminderung sozial bedingter und geschlechtsbezogener Ungleichheiten in den Gesundheitschancen beitragen.“ => zur Verminderung jungen- und männerbezogener Ungleichheiten in den Gesundheitschancen beitragen! Ein harter soziologischer Indikator ist hier u.a. die Lebenserwartungsdifferenz, insbesondere in Verbindung mit einem geringen Sozialstatus, der die Lebensjahre auf Männerseite nochmals mehr verkürzt.

§ 25 PrävG „Versicherte (…) haben Anspruch auf alters-, geschlechter- und zielgruppengerechte ärztliche Gesundheitsuntersuchungen (…).“ => Anspruch auf jungen- und männergerechte ärztliche Gesundheitsuntersuchungen!

Nach den zugehörigen Bundesrahmenempfehlungen zum Präventionsgesetz sind „sowohl bei der Bedarfsermittlung als auch bei der Planung und Erbringung von Präventions- und Gesundheitsförderungsleistungen geschlechtsbezogene Aspekte zu berücksichtigen.“ => jungen- und männerbezogene Aspekte tatsächlich und nicht nur nominell berücksichtigen!

Alles in allem zeigt sich, dass die Forderungen der Stellungnahme Wie weiter nach dem Männergesundheitsbericht 2014? von Bundesforum Männer und Netzwerk Jungen- und Männergesundheit nach wie vor aktuell sind.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.