Bundesforum Männer zum Koalitionsvertrag: Leerstelle Männergesundheit

Bei seiner Fachveranstaltung „Männerpolitische Perspektiven in der neuen Legislaturperiode“ am 22. Februar 2018 reklamierte das Bundesforum Männer, dass der aktuelle Koalitionsvertrag in der Gleichstellungs- und Männerpolitik hinter den Ansätzen der letzten Bundesregierung zurückbleibt. Zu dieser Einschätzung führen insbesondere folgende Punkte:

  • Die Ergebnisse der Koalitionsverhandlungen enthalten wenig Impulse für moderne Geschlechterbilder.
  • Anreize für ein einseitiges Ernährer-Modell wie das Ehegattensplitting werden nicht abgebaut.
  • Ideen aus dem aktuellen Entwurf der EU-Vereinbarkeitsrichtlinie, etwa die Einführung einer Vaterschaftsfreistellung nach der Geburt eines Kindes oder eine stärkere paritätische Ausgestaltung der Partnermonate beim Elterngeld, werden nicht aufgegriffen.
  • Im Koalitionsvertrag finden sich keine Vorhaben zu expliziter Jungenarbeit oder zu Aktivitäten, um mehr Männer in soziale Berufe zu bringen.
  • Eine weitere Leerstelle ist Männergesundheit, hier fehlt der Genderbezug bei den Maßnahmen im Bereich Gesundheit und Pflege.

Zur Pressemitteilung

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Was bringt uns der Koalitionsvertrag?

Im Koalitionsvertrag 2013 stand zu (Männer-) Gesundheit:

„Darüber hinaus werden wir (…) die ärztlichen Vorsorgeuntersuchungen bei Erwachsenen stärken. (…) Wir wollen die jeweiligen Besonderheiten berücksichtigen, die sich aus der Frauen- und Männergesundheitsforschung insbesondere für die gesundheitliche Versorgung und die Erarbeitung von medizinischen Behandlungsleitlinien ergeben.“ (S. 82)

Bemängelt wurde seinerzeit die einseitige Priorisierung von Vorsorgeuntersuchungen (eigentlich müsste das ja Früherkennung heißen…), außerdem fehlte neben Versorgung und Behandlung komplett die Gesundheitsbildung und -förderung, die natürlich ebenso geschlechtsspezifische Themen und Lebenslagen berücksichtigen müsste.

Leider ist von diesem Wenigen im Koalitionsvertrag 2018 gar nichts mehr zu finden, das Stichwort Männergesundheit fehlt. Stattdessen lesen wir diese Aussage:

 „Zeitgemäße Gleichstellungspolitik nimmt auch Jungen und Männer in den Blick. Auch sie müssen sich auf gesellschaftliche Entwicklungen und neue Anforderungen einstellen. Dies wollen wir politisch unterstützen.“ (1027-1029)

So richtig zeitgemäß klingt das nun gerade nicht, man könnte hier auch einen Rückfall in veraltete Gleichstellungspolitik sehen – denn was Jungen und Männer selbst wollen bzw. dass viele ihre Lebensgestaltung auch selbst entwickeln und verändern möchten, ist hier jedenfalls nicht im Blick. Dafür kommen Vorsorge- und Früherkennungsangebote wieder auf den Tisch:

„Mit Blick auf Vorsorge- und Früherkennungsangebote sowie Rehabilitation sollen die Akteure im Gesundheitswesen verstärkt mehrsprachige gesundheitsfördernde Angebote unterbreiten, die die Betroffenen auch wirklich erreichen.“ (4955-4958)

Auch hier zeigt sich wieder die Gleichsetzung von Vorsorge und Früherkennung mit Gesundheitsförderung. Mehrsprachige Angebote sind ja löblich, aber Gesundheitsförderung ist mehr und etwas anderes, als die Vorsorgequote zu erhöhen.

Außerdem soll ein Eckpunktepapier zur Weiterentwicklung des Präventionsgesetzes vorgelegt werden (4705-4708) – hier wäre eine substanziell erkennbare jungen-und männerbezogene Berücksichtigung der gesetzlichen Vorgaben zu fordern:

§ 2b PrävG „Bei den Leistungen der Krankenkassen ist geschlechtsspezifischen Besonderheiten Rechnung zu tragen.“ => jungen- und männerspezifischen Besonderheiten Rechnung tragen!

§ 20 PrävG „Die Leistungen sollen insbesondere zur Verminderung sozial bedingter und geschlechtsbezogener Ungleichheiten in den Gesundheitschancen beitragen.“ => zur Verminderung jungen- und männerbezogener Ungleichheiten in den Gesundheitschancen beitragen! Ein harter soziologischer Indikator ist hier u.a. die Lebenserwartungsdifferenz, insbesondere in Verbindung mit einem geringen Sozialstatus, der die Lebensjahre auf Männerseite nochmals mehr verkürzt.

§ 25 PrävG „Versicherte (…) haben Anspruch auf alters-, geschlechter- und zielgruppengerechte ärztliche Gesundheitsuntersuchungen (…).“ => Anspruch auf jungen- und männergerechte ärztliche Gesundheitsuntersuchungen!

Nach den zugehörigen Bundesrahmenempfehlungen zum Präventionsgesetz sind „sowohl bei der Bedarfsermittlung als auch bei der Planung und Erbringung von Präventions- und Gesundheitsförderungsleistungen geschlechtsbezogene Aspekte zu berücksichtigen.“ => jungen- und männerbezogene Aspekte tatsächlich und nicht nur nominell berücksichtigen!

Alles in allem zeigt sich, dass die Forderungen der Stellungnahme Wie weiter nach dem Männergesundheitsbericht 2014? von Bundesforum Männer und Netzwerk Jungen- und Männergesundheit nach wie vor aktuell sind.

LAG JuMä Sachsen sucht Bildungsreferent Männergesundheit

Die Landesarbeitsgemeinschaft für Jungen- und Männerarbeit Sachsen sucht zum 1. Mai 2018 für die Landesfachstelle Männerarbeit einen Bildungsreferenten Männergesundheit mit einem Stellenumfang von 20 Wochenstunden.

Bewerbungen bitte ausschließlich per E-Mail bis zum 15. März 2018 an frank.scheinert@juma-sachsen.de

Zur Stellenausschreibung als PDF

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Ergänzung Programm Netzwerktreffen Stuttgart 2. – 4. März 2018

Wie erwartet und versprochen werden auch zum diesjährigen Netzwerktreffen wieder einige interessante Beiträge aus dem Netzwerkumfeld eingebracht. Den Referierenden schon mal vorab ein herzlicher Dank für Initiative und Engagement!

Die Programmergänzungen als PDF

Anmeldungen zum  Netzwerktreffen nehmen wir weiter gerne entgegen.

Abendessen Freitag, 2. März (ca. 19.30 Uhr)
  • Restaurant Alte Kanzlei, Schillerplatz 5A, 70173 Stuttgart
Angekündigte Beiträge Samstag, 3. März 9.30 – 13.00 Uhr
  • Martin Dinges, Stuttgart: „Die geringere Lebenserwartung der Männer in historischer und europäisch vergleichender Perspektive“
  • Matthias Stiehler, Dresden: Impuls zur Aktionsidee „Tag der ungleichen Lebenserwartung“ mit dem Thema „Der gesellschaftliche Blick auf Männer“ (Input und Diskussion)
  • Eckard Schroll, Köln: „Jungen- und Männergesundheit bei der BZgA. Strategie und Weiterentwicklung“
  • Claudia Steiner, Bremen: „Erfahrungen in der Gesundheitsförderung mit langzeitarbeitslosen Männern“
  • Christoph Schwamm, Stuttgart: „Männer in der Pflege. Historische Perspektiven auf eine wiederkehrende Debatte“ (Kurzbeitrag)
  • Doris Bardehle, Berlin: „Sind unsere Senioren (65+) wirklich so gesund, wie in Gesundheitssurveys festgestellt wird?“
Ergänzung Praxisaktivitäten Samstag, 3. März ab 15.00 Uhr
  • Kultursensible sexuelle und geschlechtliche Vielfalt – „Andrej ist anders und Selma liebt Sandra“ (Befragung und Beratung) kultursensibel-lsbttiq.de Jochen Kramer, VLSP Stuttgart
Angekündigte Beiträge Sonntag, 4. März 9.30 – 11.00 Uhr
  • Sebastian Wenger, Stuttgart: „Der Arzt: Idealbild des kraftvollen, leistungsfähigen und gesunden Mannes im 20. Jahrhundert?“ (Kurzbeitrag)
  • Anne Starker, Berlin: „Männer-, Frauen-, Gender-Gesundheit. Aktuelles zu Forschungsaktivitäten und Initiativen“

WHO-Initiative Männergesundheit: Erarbeitung Sachstandsbericht und Strategie-Entwicklung, Förderinitiative „Gendergesundheit“ des BMBF, Forschungsverbundprojekt „AdvanceGender – Geschlechtersensible GBE“, Frauengesundheitsbericht (Erstellung am RKI)

  • Frank Scheinert, Dresden: Fachkampagne Männergesundheit der Landesfachstelle Männerarbeit in Sachsen und aktuelle Entwicklungen zur Jungen- und Männergesundheit in Sachsen (Kurzbericht)
  • Gunter Neubauer, Tübingen: Projekt HelpMen – Männergesundheit als Grundbildungsthema
Strategie und Weiterarbeit im Netzwerk – bisher vorgeschlagene Themen
  • Jungen- und Männergesundheit in der Wahlperiode 2017 – 2021
  • Vertretung des Netzwerks im Bundesforum Männer
  • Gesundheitsberatung für Männer / Netzwerk Männerberatung
  • nächstes Netzwerktreffen im Herbst 2019

Programm Stuttgarter Männer-Gesundheits-Konferenz Dienstag 20.2.2018

Männer – Fokus Gesundheit

1. Interdisziplinäre Fachtagung am Dienstag, 20. Februar 2018, 9.30 bis 16 Uhr

Veranstaltungsort: Rathaus Stuttgart, Marktplatz 1, 70173 Stuttgart (Mitte), Großer Sitzungssaal, drittes Obergeschoss

Tagungskosten: keine

Einführungsvorträge: Dr. Ursula Matschke, Prof. Dr. Martin Dinges, Romeo Bissuti, Simone Schmidt-Goretzky

Workshops:

  1. Die Stuttgarter Beratungslandschaft erkunden
  2. Gewagte Männlichkeit: Risikoverhalten von Jungen und Risikokompetenz
  3. Immer nur HIV, Syphilis und Co.?! Gesundheitliche Bedarfe von schwulen und bisexuellen Männern
  4. „Irreguläre“ Arbeitsmigration – Auswirkungen auf die Gesundheit
  5. Männergesundheit im Alter
  6. Männergesundheit und Behinderung
  7. Sexuelle Gesundheit von Männern unter dem Aspekt der Vielfalt von Männlichkeiten und der sexuellen und geschlechtlichen Vielfalt
  8. Sport zur Gesundheitsförderung und -erhaltung

Anmeldungsformular bitte an

poststelle.chancengleichheit@stuttgart.de

ORF Ö1 Radiokolleg 15. – 18. Jänner 2018 Männergesundheit. Die zweite Hälfte der Gendermedizin

ORF Ö1 Radiokolleg

Männergesundheit. Die zweite Hälfte der Gendermedizin

Ein Speed-Skating-Team bei der Arbeit

Gestaltung: Winfried Schneider (Teil 1 und 3), Nikolaus Scholz (Teil 2 und 4)

Die Sendetermine sind:

Teil 1 bis 4  / Montag, 15. – Donnerstag,  18. Jänner 2018

jeweils 9.05 bis 9.30 Uhr und 22.08 bis 22.30 Uhr (Wiederholung)

Die Adresse der online-Programmseite für den 1. Teil (Montag) lautet:

http://oe1.orf.at/programm/20180115/501019

Für Buchtipps und Links bitte nach unten scrollen.

Innerhalb von 7 Tagen nach der Erstausstrahlung können sämtliche Sendungen über die Funktion ‚7 Tage Ö1‘  zeitautonom im Internet oder über die Ö1-App als Stream nachgehört werden.

Mit einem gültigen Ö1-Download-Abo kann die Sendereihe innerhalb von 30 Tagen nach der Ausstrahlung heruntergeladen werden.

Eine Liste mit ausgewählten Buchtipps und Links zur Sendung ist für die Hörer und Hörerinnen auf Anfrage über den Ö1-Service erhältlich.

Neues Projekt „Gesundheit als Thema der Grundbildung für Männer in Europa weiterentwickeln“ (HelpMen)

Im gesamten Feld der Gesundheitsbildung und -förderung sind Männer stark unterrepräsentiert. Das Projekt „Gesundheit als Thema der Grundbildung für Männer in Europa weiterentwickeln“ (Health Literacy Progress for Men in Europe – HelpMen) nimmt die Frage auf, wie Männer mit gesundheitlicher Grundbildung (Health Literacy) besser erreicht werden und diese aktiv verbessern können.

Im Projekt HelpMen arbeiten fünf Institutionen in einer länderübergreifenden strategischen Partnerschaft zusammen. Neben SOWIT sind dies der vhs-Verband Baden-Württemberg mit seinem Fachbereichen Gesundheits- und Grundbildung, das Männergesundheitszentrum MEN in Wien, die Cusanus Akademie in Brixen und die Fach- und Beratungsstelle infoMann in Luxemburg, Der Ansatz ist im deutschsprachigen Raum, dort aber unter Berücksichtigung anderer Erst-Sprachen, so dass ein Fokus auf Integration und Migration gelegt werden kann.

Das Projekt hat eine Laufzeit von Oktober 2017 bis November 2019. Es wird von der EU im Rahmen des ERASMUS+ Programms über die Nationale Agentur Bildung für Europa beim Bundesinstitut für Berufsbildung gefördert.

Koordination des Projekts: Gunter Neubauer

Zur Homepage von HelpMen

Veranstaltung „Mann! – kann?“ am Dienstag 21.11.2017 in Stuttgart

Nach Erscheinen des dritten Berichts der Stiftung Männergesundheit laden das Evangelische Bildungswerk Hospitalhof Stuttgart, die Evangelische Akademie Bad Boll, die Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart und der Initiativkreis Kompetenzzentrum Jungen- und Männergesundheit Baden-Württemberg zu einer gemeinsamen Veranstaltung ein:

Mann! – kann? 
Männer und Sexualität im Dritten Deutschen Männergesundheitsbericht 
am 21.November 2017 von 19 bis 21 Uhr im Hospitalhof Stuttgart

Mann kann

Es erwarten Sie Impulsvorträge von

  • Prof. Dr. Doris Bardehle, Koordinatorin des Wissenschaftlichen Beirats der Stiftung Männergesundheit und Herausgeberin des Männergesundheitsberichts, Charité Universitätsmedizin Berlin
  • PD Dr. Kurt Seikowski, Psychologe und Sexualtherapeut am Universitätsklinikum Leipzig
  • Prof. Dr. Martin Dinges, Institut für Geschichte der Medizin der Robert-Bosch-Stiftung, Stuttgart

Der kürzlich veröffentlichte dritte Bericht der Stiftung Männergesundheit greift den Zusammenhang von Männergesundheit und Sexualität auf. Aus der großen Vielfalt der dort angesprochenen Aspekte kann in dieser Abendveranstaltung ein Ausschnitt betrachtet werden. Die ReferentInnen werden besonders die Männer in der Lebensmitte und der zweiten Lebenshälfte in den Blick nehmen. Die Veranstaltung richtet sich an alle thematisch interessierten Männer und Frauen.

Programmflyer Mann kann 21.11.2017

„Krank sein – darf ich das? Männer als Zielgruppen und Akteure in der gesundheitlichen Versorgung“ Fachtagung am 7.11.2017 in Hannover

Männer im jüngeren und mittleren Lebensalter sind in Einrichtungen des Gesundheitswesens seltener anzutreffen als Frauen. Dies hängt zum einen damit zusammen, dass sie seltener vom Gesundheitswesen als Zielgruppe adressiert werden als (im gebärfähigen Alter verortete, potenziell schwangere) Frauen. Während Frauen unter Umständen bereits ab der Pubertät durchgehende Begleitung durch Fachkräfte des Gesundheitswesens erfahren (Verordnung der Pille, ab dem 20. Lebensjahr angebotene Früherkennungsuntersuchungen, Ansprache als Mutter und „Gesundheitspolizei des Mannes bzw. der Familie“), ist für Männer nach Absolvierung ihrer letzten U-Untersuchung kein regulärer Kontakt bis zum 35. Lebensjahr (Beginn von „Check Up“-Angeboten) vorgesehen. Zum anderen stellen tradierte Körper- und Gesundheitsverständnisse für viele Männer eine Barriere dafür dar, sich präventiv oder mit manifestierten Beschwerden an das Gesundheitswesen zu wenden. Kurzum: Man(n) möchte sich nicht gern zum Objekt eines (zunehmend feminisierten, gleichwohl oft noch paternalistisch inspirierten) Gesundheitssystems machen lassen. Gleichwohl greift das wohlfeile Urteil des Mannes als „Gesundheitsmuffel“ zu kurz, da sich sowohl das Hilfesuchverhalten als auch die Compliance zwischen verschiedenen Männergruppen erheblich unterscheiden, was auf weitere Einflussfaktoren jenseits des Geschlechts schließen lässt.

Ohne Titel

Die Fachtagung soll einen Beitrag dazu leisten, hemmende und fördernde Faktoren einer höheren Gesundheitskompetenz von Männern zu explorieren und dabei insbesondere auf Fragen adäquater Kommunikations- und Therapiekonzepte für Männer
in Praxis und Krankenhaus einzugehen. Facetten sind dabei die geschlechtergerechte Weiterentwicklung von Goldstandards und Leitlinien, Implementierung von Erkenntnissen der Gender Medizin in die Regelversorgung und Health Literacy männlicher Patienten (und ihr Zusammenhang mit Compliance und Adherence).

Termin: Dienstag 7. November 2017, 9.30 – 16.00 Uhr

Veranstaltungsort: Akademie des Sports Hannover

Veranstalter: GKV-Bündnis für GESUNDHEIT

Moderation: Thomas Altgeld, Landesvereinigung für Gesundheit und Akademie für Sozialmedizin Niedersachsen e.V.

Die Teilnahme ist kostenfrei, Anmeldeschluss ist der 31. Oktober 2017.

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