Workshop „Männergesundheit kommunal“ Fr 25.06.21 15:00 – 18:00

Termin: Freitag 25. Juni 2021, 14.30 / 15.00 – 18.00 Uhr

Ort: Rathaus Stuttgart (mittlerer Sitzungssaal) / online (hybrid) via WebEx

Veranstalter: Stadt Stuttgart, Abteilung für Chancengleichheit und Diversity in Kooperation mit dem Netzwerk Jungen- und Männergesundheit und dem komm b-w (Kompetenzzentrum Jungen- und Männergesundheit Baden-Württemberg)

Moderation: Olcay Miyanyedi, LH Stuttgart und Gunter Neubauer, Netzwerk Jungen- und Männergesundheit und komm b-w

Der Impuls zu einem Treffen „männergesunder“ Kommunen ist ein Anliegen, das beim Netzwerktreffen 2019 in Nürnberg formuliert wurde. Ein Erfahrungsaustausch zur Jungen- und Männergesundheitsförderung im kommunalen Raum soll Möglichkeiten zur Sensibilisierung und Aktivierung von Kommunen für das Thema untersuchen und eine entsprechende Vernetzung fördern. Eingeladen sind Mitarbeitende in Kommunen und nichtkommunalen Organisationen, Aktive im Bereich Männerarbeit und Männergesundheit, Interessierte und Akteure der Zivilgesellschaft.

Programm

14:30 Ankommen im realen und im Online-Raum

15:00 Begrüßung, Who-all-is-here und Eröffnung durch die Gastgeber

Dr. Ursula Matschke, Leiterin Abteilung für Chancengleichheit und Diversity

Heinz-Peter Ohm, Leiter Abteilung Gesundheitsförderung und Planung, Stuttgart

15:30 Impulsvortrag: Gesundheitsförderliche Stadt- und Gemeindeentwicklung

Rabea Boos, Landesgesundheitsamt und Koordinierungsstelle Gesundheitliche Chancengleichheit in B-W

16:00 Pause

16:15 Strukturierter „Rundgang“ durch die repräsentierten Kommunen

aktuelle Situation in den Kommunen: Themen, Zugänge, Arbeitsfelder, Strategien

17:00 Moderierte offene Gesprächsrunde „Männergesundheit kommunal“

Was wollen wir fördern und stärken? Wie kommen wir weiter?

17:45 Schlussrunde, Ergebnisse, Vereinbarungen

18:00 Ende der Veranstaltung

Die Teilnahme an der Veranstaltung ist kostenfrei. Anmeldung bitte bis 11. Juni 2021 bei Olcay Miyanyedi, weitere Informationen folgen nach Eingang der Anmeldung.

„Das Geschäft mit der Vorhaut“ – Live-Diskussion am 07.05.21, 10:00-11:30


7. MAI 2021 – Weltweiter Tag der Genitalen Selbstbestimmung – 9 JAHRE „KÖLNER URTEIL”

An diesem Tag jährt sich die Verkündung des KÖLNER URTEILS zum neunten Mal. Dieses hatte 2012 auch Jungen das Recht auf genitale Selbstbestimmung zugesprochen, indem es eine medizinisch nicht indizierte Vorhautentfernung („Beschneidung“) eines Jungen als eine strafbare Körperverletzung bewertete. Inzwischen ist der 7. Mai längst weltweit zu einem Symbol für die Selbstbestimmungsrechte des Kindes unabhängig von Geschlecht, Herkunft, Religion und Tradition geworden.

Live Online-Events rund um die Uhr, Beginn: 9.30 Uhr

Plattformen: YouTubeFacebook

10.00 – 11.30 Uhr: „Das Geschäft mit der Vorhaut“

Live-Diskussion mit Dr. Bernhard Stier, Dr. Wolfgang Bühmann, Prof. Dr. Matthias Franz, Volker Handke & Gunter Neubauer (Mod. Victor Schiering)

In weiten Teilen der Gesellschaft fast unbemerkt, haben sich in den letzten Jahren Verwendungen von intakten Vorhäuten etabliert, die durch Beschneidungen (Zirkumzisionen) bei männlichen Neugeborenen, Säuglingen und Kleinkindern „gewonnen“ werden. Allerdings gibt es für die operative Entnahme intakter Vorhaut, wie sie für die Verwendung beim „Tissue Engineering“ und in der „Beauty Industrie“ erforderlich ist, keine rechtfertigende Indikation. In der Gesprächsrunde werden Hintergründe, Forderungen und Konsequenzen diskutiert.

Homepage WWDOGA

Programm und Sendeplan WWDOGA 2021

Auf zu einer Männergesundheitsstrategie! Das Beispiel der Förderung psychischer Gesundheit

Bericht vom Auftakt-Workshop am 13. April 2021

Viele gute Ansätze zur Förderung der Gesundheit von Männern haben sich in den letzten Jahren etabliert. Im Gesundheitssystem setzt sich – in moderatem Tempo, aber doch zunehmend – die Erkenntnis durch, dass sich Frauen und Männer nicht nur biologisch unterscheiden, sondern auch in ihrem Gesundheits- und Risikoverständnis, ihrer Körper- und Rollenwahrnehmung und ihrem Nutzungsverhalten von Angeboten der Gesundheitsförderung und Prävention sowie der Gesundheitsversorgung.

Mittlerweile gibt es diverse Strategien, um Männer wirksamer für Gesundheitsthemen zu sensibilisieren, zu mehr Gesundheitsfürsorge zu motivieren und im Krankheitsfall effektiver zu versorgen. Die Angebote sind jedoch in der Regel „Insellösungen“ – man findet Projekte, Kampagnen und Aktionen von begrenzter Dauer, jedoch ergeben die Puzzleteile noch kein Gesamtbild.

Das Netzwerk Jungen- und Männergesundheit, das Bundesforum Männer und die Stiftung Männergesundheit haben nun die Initiative ergriffen, um die Puzzleteile zusammenzusetzen und die noch fehlenden zu beschaffen. Anlässlich der fünfzehnjährigen Jubiläumsveranstaltung des Netzwerks Jungen- und Männergesundheit wurde Ende 2019 beschlossen, einen Auftakt zur Entwicklung einer nationalen Männergesundheitsstrategie für Deutschland zu installieren.

Eine Vorbereitungsgruppe aus den genannten Institutionen entwickelte mit freundlicher Unterstützung des Bundesministeriums für Gesundheit (und wieder einmal hervorragendem Support durch LVG & AFS Niedersachsen, GN) einen Auftakt-Workshop unter dem Motto „Auf zu einer Männergesundheitsstrategie!“ Die Vorbereitungsgruppe analysierte nationale Männergesundheitsstrategien verschiedener Länder wie Australien, Irland und Brasilien und erörterte Transferperspektiven für den deutschen Kulturraum und das hiesige politische System. Besonderes Augenmerk wurde auf die WHO-Euro-Strategie zur Männergesundheit (The health and well-being of men in the WHO European Region, 2018) gelegt, die den Mitgliedsländern konkrete Ziel- und Handlungsempfehlungen vermittelt.

Weitere Analysen zur epidemiologischen Relevanz führten zu einer Fokussierung auf die psychische Gesundheit von Männern. Es wurde ein Workshopprogramm entlang der Handlungsfelder – von der Gesundheitsförderung über Präventionsstufen bis hin zu Intervention und Nachsorge – entwickelt.

Der Workshop fand am 13. April 2021 mit etwa zwanzig ausgewählten Expert*innen des deutschen Gesundheitswesens, moderiert durch Gunter Neubauer (Netzwerk Jungen- und Männergesundheit) und Thomas Altgeld (Bundesforum Männer), online via Zoom statt. Beiträge des Bundesministeriums für Gesundheit und der Stiftung Männergesundheit vermittelten eine politische und epidemiologische Orientierung zum Status quo der Förderung der psychischen Gesundheit von Männern. Arbeitsgruppen vertieften die Aspekte

  • Gesundheitsbildung
  • Gesundheitsförderung und Prävention sowie Gesundheitsversorgung
  • Aus- und Fortbildung für Gesundheits- und Bildungsberufe sowie
  • Forschung.

Bedarf es nun einer konkreten Strategie für eine übergeordnete Koordinierung der vorhandenen und zu wünschenden Maßnahmen? Im Workshop wurde dies grundsätzlich bejaht. Die Arbeitsgruppen identifizierten zahlreiche Bedarfe: Von einer besseren Datenlage über modernere Bildungs- und Versorgungskonzepte bis hin zur Überwindung von Geschlechterklischees in Maßnahmenentwicklungen. Eine ganzheitliche Strategie kann hier Orientierung geben.

Mit dem Auftakt-Workshop wurden erste Erkenntnisse gesammelt und mögliche Wege zur Einführung einer nationalen Männergesundheitsstrategie skizziert. Zentrales Kriterium: Die Strategie soll die erwähnten „Insellösungen“ zu einem Gesamtbild zusammenfügen, ohne selbst eine solche „Insel“ zu werden. Die Reflektion von Diversität innerhalb der Dialoggruppe Männer und das kooperative Einvernehmen mit Strategien zur Förderung der Gesundheit von Frauen und von nichtbinären Personen ist zentrales Merkmal ihrer Entwicklung und ihrer Implementation.

Als Folgeaktivitäten wurden verabredet, weitere Schnittstellen (zum Beispiel in Gleichstellung-, Bildungs- und Wissenschaftspolitik) zu betrachten sowie politische und zivilgesellschaftliche Fürsprache zu gewinnen. Das Bundestagswahljahr 2021 bietet die Chance, für die Notwendigkeit der Einführung einer nationalen Männergesundheitsstrategie zu sensibilisieren und den Bedarf für die Regierungsarbeit der kommenden Legislaturperiode anzumelden.

Viele OECD-Länder sind bereits dabei vorangeschritten, Männergesundheit auf ein nachhaltigeres, zukunftsweisendes Fundament zu heben. Es ist an der Zeit, dass auch die Bundesrepublik Deutschland ihrer Gesundheitspolitik ein Update einspielt!

Martin Schumacher

Fachreferent, Landesvereinigung für Gesundheit und Akademie für Sozialmedizin Niedersachsen e. V.
Fenskeweg 2 | 30165 Hannover
Telefon: 0511 / 388 11 89 – 34

E-Mail: martin.schumacher@gesundheit-nds.de
Internet: http://www.gesundheit-nds.de


Aufruf zur Studienteilnahme: Einflussfaktoren auf die psychische Gesundheit von Männern

Im Rahmen eines Forschungsprojektes untersucht die Arbeitseinheit für klinische Psychologie und Psychotherapie des Universität des Saarlandes Einflussfaktoren auf die psychische Gesundheit von Männern.

Studien deuten auf zahlreiche geschlechtsspezifische Unterschiede bei psychischen Erkrankungen hin, so unterscheiden sich beispielsweise die Symptome von Depressionen bei Männern und Frauen. Ebenso nutzen psychisch belastete Männer wesentlich seltener psychotherapeutische und psychiatrische Versorgungsangebote. Dies führt dazu, dass weniger psychische Erkrankungen bei Männern diagnostiziert werden, während jedoch zum Beispiel rund drei Viertel aller erfolgreichen Suizide auf Männer entfallen (Walther & Seidler, 2020).

Daher ist es Ziel der Studie, Einfluss- und Wirkfaktoren auf die psychische Gesundheit von (cis-)Männern zu identifizieren und deren Wechselwirkung zu untersuchen. Inhaltlich werden dabei Fragen zu aktuellen und vorangegangen psychischen Problemen (z.B. Depressivität, Suizidalität und soziale Ängstlichkeit), Diskriminierungs- sowie Missbrauchserfahrungen, psychosoziale Risiko- als auch Schutzfaktoren (z.B. Selbstwert, Rollenbilder, Grübelneigung, soziale Unterstützung) gestellt. Insbesondere liegt der Fokus auch auf schwulen und bi- und pansexuellen (cis-)Männern, da diese im Alltag vermehrt Diskriminierung und Missbrauch (z.B. de Vries et al., 2020) erfahren, was mit Minoritätenstress einhergeht und das Risiko für psychische Erkrankungen erhöhen kann (Minoritätenstressmodell: Meyer, 2003; Psychologisches Mediationsmodell: Hatzenbuehler, 2009).

Durch Ihre Teilnahme an der Studie tragen Sie einen wichtigen Beitrag zur Erforschung der Einflussfaktoren auf die psychische Gesundheit von Männern bei! Es wird auch darum gebeten, diese Information in den eigenen Zusammenhängen an potenzielle Teilnehmer weiterzugeben.

Zielgruppe der Studie: (cis-)Männer über 18 Jahre

Befragungsdauer: 45-60 Minuten

Unter allen abgeschlossenen Befragungen werden am Ende der Studie 20x 15€ Gutscheine (z.B. für Amazon) verlost.

Bei Rückfragen kann sich an Tobias Issler (M.Sc) gewendet werden:
tobias.issler [at] uni-saarland.de

Link zur Studie: www.soscisurvey.de/PsyGesundheit/

Referenzen:

Walther, A., & Seidler, Z. E. (2020). Männliche Formen der Depression und deren Behandlung. PiD-Psychotherapie im Dialog, 21(04), 40-45.

de Vries, L., Fischer, M., Kasprowski, D., Kroh, M., Kühne, S., Richter, D., & Zindel, Z. (2020). LGBTQI*-Menschen am Arbeitsmarkt: hoch gebildet und oftmals diskriminiert. DIW Wochenbericht, 87(36), 619-627. Meyer, I. H. (2003). Prejudice, social stress, and mental health in lesbian, gay, and bisexual populations: conceptual issues and research evidence. Psychological bulletin, 129(5), 674.

Meyer, I. H. (2003). Prejudice, social stress, and mental health in lesbian, gay, and bisexual populations: conceptual issues and research evidence. Psychological bulletin, 129(5), 674.

Hatzenbuehler, M. L. (2009). How does sexual minority stigma “get under the skin”? A psychological mediation framework. Psychological bulletin, 135(5), 707.

Mitgliederversammlung Bundesforum Männer 25.02.21

Die 11. Mitgliederversammlung des Bundesforums Männer fand, nachdem im Jubliäumsjahr 2020 keine Versammlung möglich war, letzte Woche als Online-Veranstaltung statt.

Der neue Vorstand des Bundesforums Männer: Stephan Buttgereit, Thomas Altgeld, Jörg Bewersdorf, Dr. Michael Tunç, Dirk Siebernik, Martin Treichel, Thomas Wilde

Bei den Vorstandswahlen wurde unser Netzwerk- und Gründungsmitglied Thomas Altgeld als Vorsitzender des Bundesforums für drei Jahre wiedergewählt. In seiner Vorstellung zur Kandidatur hat Thomas als Motivation für seine Vorstandsarbeit u.a. „Gesundheit und Bildung als zentrale Themenstellungen einer männerorientierten Gleichstellungspolitik begreifen und angehen“ angegeben. Lieber Thomas, herzliche Glückwünsche und gutes Gelingen für dein Engagement in unserem Dachverband!

Auch die Arbeit und Besetzung der Fachgruppen Jungen und junge Männer (aus dem Netzwerk dort aktiv: Gunter Neubauer und Bernhard Stier), Männer (Frank Scheinert), Väter (Holger Strenz) und ältere Männer (Eckart Hammer) wurden bestätigt. Außerdem konnten sieben neue Mitglieder aufgenommen werden, womit das Bundesforum Männer nunmehr 38 ordentliche Mitglieder hat.

Nach einer Satzungsänderung in 2018, die eine Mitgliedschaft nur noch für juristische und natürliche Personen vorsah, war unser Netzwerk plötzlich nur noch gewohnheitsrechtliches Mitglied im Bundesforum. Nachdem diesem Zustand nicht anderweitig abzuhelfen war, hatten wir nun einen Antrag gestellt, mit dem auch nicht eingetragene Vereine sowie verfasste Netzwerke oder Arbeitsgemeinschaften Mitglied werden können. Diesem Antrag wurde mit großer Mehrheit zugestimmt, worüber wir uns doch sehr freuen.

§ 3 Erwerb der Mitgliedschaft

(1) Mitglieder des Vereins können juristische und natürliche Personen sowie Vereine nach § 54 BGB sein, sofern sie die Ziele des Vereins unterstützen.

Satzung des Bundesforums Männer

Insgesamt war es eine sehr konstruktive, gut vorbereitete und moderierte Mitgliederversammlung, wenn auch inhaltliche Perspektiven im Verhältnis zu den üblichen Regularien etwas kürzer als sonst üblich ausfielen. Am 7. Juni 2021 ist nun ein Fachtag zum Thema Männerpolitik geplant, dem dann ein politischer Sommerempfang folgen soll. Dort kann dann auch die Feier des 10-jährigen Bestehens des BFM nachgeholt werden. Neben einer aktuellen Pressemitteilung gibt es weitere Informationen zu Mitgliederversammlung und Fachtag sicher bald auf der Webseite des Bundesforums Männer.

„Männergesundheit kommunal“ Stuttgart, 25.06.21

Save the date!

Die Praxis einer Förderung der Männergesundheit bezieht sich notwendig auf Settings mit männlichem Publikum und auf männliche Lebenswelten, die nicht zuletzt im kommunalen Raum zu finden sind. Dort bringen Männer ihre Gesundheitsressourcen ins Spiel, dort bewältigen sie Gesundheitsrisiken und -belastungen. Im sozialen Nahraum erhalten sie Impulse für Gesundheitswahrnehmung und Gesundheitsverhalten – und stoßen möglicherweise auf entgegenkommende Gesundheitsangebote und Settinginterventionen.

Nachdem sich in den letzten Jahren deutschlandweit Kommunen für einen Fokus auf Männergesundheitsförderung entschieden haben, erscheint die Zeit reif für einen Austauch, der solche Zusammenhänge in den Blick nimmt und gemeinsam reflektiert.

Termin: Fr 25.06.21 14:30 / 15:00 – 18:00
Ort: Rathaus Stuttgart (mittlerer Sitzungssaal) / online (hybrid)
Veranstalter: Stadt Stuttgart, Abteilung für Chancengleichheit und Diversity in Kooperation mit dem Netzwerk Jungen- und Männergesundheit und dem komm b-w (Kompetenzzentrum Jungen- und Männergesundheit Baden-Württemberg)

Anlass
• Treffen, Austausch und Vernetzung „männergesunder“ Kommunen (ein Anliegen aus dem Netzwerktreffen 2019 in Nürnberg) – Fokus auf kommunale Zugänge!
• Möglichkeiten zur Sensibilisierung von Kommunen (z.B. Gesunde-Städte-Netzwerk-Mitgliedskommunen) für das Thema Männergesundheit

Agenda
• Austausch, aktuelle Situation in den Kommunen, Impulsvortrag
• Männergesundheit kommunal – Themen, Zugänge, Arbeitsfelder, Strategien

Auftakt-Workshop: Auf zu einer Männergesundheitsstrategie!

Männer werden in der Gesundheitsförderung sowie in der gesundheitsbezogenen Prävention und Versorgung seit nunmehr 20 Jahren in Deutschland zunehmend spezifisch adressiert. Zahlreiche Beispiele guter Praxis sind zwischenzeitlich entstanden, stellen jedoch nach wie vor wenig miteinander verbundene Einzelaktivitäten dar. Eine übergeordnete Strategie kann hier zu einer qualitativen Weiterentwicklung beitragen.

Im Rahmen einer Initiative unseres Netzwerks möchten wir zusammen mit dem Bundesforum Männer und in Kooperation mit dem Bundesministerium für Gesundheit einen Impuls zur Entwicklung einer nationalen Männergesundheitsstrategie setzen.

Auf zu einer Männergesundheitsstrategie!
Step one: Handlungsfelder und Herausforderungen am Beispiel der Förderung der psychischen Gesundheit von Männern
Dienstag 13. April 2021, 10.00 – 14.00 Uhr
online via Zoom, persönliche Einladung

Im Workshop sollen anhand des Schwerpunktthemas psychische Gesundheit ausgewählte Aspekte behandelt und erste Schritte zur Entwicklung einer Männergesundheitsstrategie erörtert werden. Ein weiterer Bezugspunkt ist die europäische WHO-Strategie zur Förderung der Männergesundheit.

Der Workshop wird freundlicherweise von der Landesvereinigung für Gesundheit und Akademie für Sozialmedizin Niedersachsen e.V. organisiert.

RKI-Bericht: Gesundheitliche Lage der Frauen in Deutschland

Titelseite des Frauengesundheitsberichts

Bereits am 9. Dezember 2020 wurde der aktuelle Frauengesundheitsbericht des RKI vorgestellt. Er bietet zunächst einen Überblick zu Erkrankungen und Gesundheitsstörungen, zum Gesundheitsverhalten sowie zur Prävention und Gesundheitsversorgung. Entlang der Lebenslaufperspektive geht es dann um Mädchengesundheit, Frauen im Erwerbsalter und ältere Frauen. Ein Fokuskapitel reflektiert Frauengesundheit im Migrationskontext. Sexuelle und reproduktive Gesundheit, gesundheitliche Auswirkungen von Gewalt sowie ein europäischer Vergleich sind weitere Themen vor einem kurzen abschließenden Fazit.

Bei einer grundsätzlich erfreulichen intersektionalen und binnendifferenzierenden Perspektive ist ein Problem bisheriger Gesundheitsberichterstattung leider auch im Frauengesundheitsbericht nicht immer zufriedenstellend gelöst: Wenn es um die Darstellung geschlechtervergleichende Daten geht, entsteht im Subtext gerne mal eine wertende Tendenz – Wer macht es besser, wer schlechter, und wer ist besser, wer schlechter dran?

Dass die Datengrundlage teilweise nicht die aktuellste ist, kann den Autor:innen nicht angelastet werden, ebenso nicht die Tatsache, dass sich der Bericht als „politischer“ Bericht der Ableitung von Empfehlungen, Forderungen, Maßnahmen oder Strategien weitgehend enthalten muss. Das wäre jedoch unabdingbar, wenn Daten und Berichte auch etwas bewirken sollen, und bleibt mithin wohl weiter Aufgabe der Zivilgesellschaft.

Aufschlussreich ist die mediale Resonanz auf den Frauengesundheitsbericht, der gerne als „erster“ präsentiert oder rezipiert wird. Das vergisst, dass der erste Frauengesundheitsbericht der Bundesregierung bereits 2001 veröffentlicht wurde. Dieser hat, nebenbei bemerkt, entscheidend mit zur Frage nach der Männergesundheit beigetragen, sowie – nach vergeblichen Versuchen, damit auch im politischen Raum Gehör zu finden – zur Gründung unseres Netzwerks, der Stiftung Männergesundheit und weiterer Lobby-Organisationen. Der RKI-Männergesundheitsbericht von 2014 war mit ein Erfolg dieser Bemühungen. 

Wie viel noch zu tun ist, zeigt ein Blick auf die Deutsche Apothekerzeitung, die dem Frauengesundheitsbericht eine ganze Banalität entnimmt: „Männer und Frauen sind anders“. Das Ärzteblatt dagegen titelt: „Robert-Koch-Institut nimmt erstmals Gendermedizin in den Fokus“ – Das klingt zwar recht schick, ist aber falsch. Dass sich der Frauengesundheitsbericht nicht in gendermedizinischen Betrachtungen erschöpft, ist dort wohl nicht aufgefallen.

Interessant: Den Forderungen nach einem Männergesundheitsbericht Anfang der 2000er-Jahre wurde gerne entgegen gehalten, dass künftig alle Gesundheitsberichterstattung prinzipiell gegendert werde und sich geschlechterspezifische Berichte nach Berücksichtigung des Gender Mainstreamings sowieso erübrigen würden… Dass inzwischen beides geht und das Präventionsgesetz seit 2015 mit SGB V § 2b nochmals anordnet, „geschlechtsspezifischen Besonderheiten Rechnung zu tragen“, zeigt, dass Gesundheitspolitik und -berichterstattung sich hier doch weiterentwickelt haben.

Int. Woche der Männergesundheit 14.-20.06.21

Die 28. Männergesundheitswoche findet weltweit vom 14. bis 20. Juni 2021 statt. Im Mittelpunkt stehen in diesem Jahr wie bereits im Jahr 2020 alle Anstrengungen, um die Corona-Epidemie einzudämmen. 

Bis zur Männergesundheitswoche im Juni 2021 werden sicher vertretbare Lockerungen der Beschränkungen beschlossen, um zu mehr Normalität  zurückzukehren.  Männer sind auf Grund eines schwächeren Immunsystems, einer häufig ungesünderen Lebensweise und auch einer oft erhöhten Risikobereitschaft stärker von Corona-Erkrankungen betroffen. Besonders im höheren Lebensalter steigt die Infektionsgefahr und auch das Risiko für schwere Verläufe. Im Mittelpunkt der diesjährigen Männergesundheitswoche stehen deshalb alle Bemühungen, Impfungen in Anspruch zu nehmen, Infektionen durch präventive Maßnahmen und gesunde Lebensweise zu vermeiden, die Gesundheit, speziell das Wohlbefinden und die psychische Gesundheit zu stärken und die internationale Zusammenarbeit zu betonen.

Dazu zählen:

Inanspruchnahme von Impfungen
Die Impfangebote für Erwachsene sollten unbedingt in Anspruch genommen werden, um Gefahren für die Gesundheit von Männern zu vermeiden. Bei den Grippeimpfungen waren Männer im höheren Lebensalter bereit, Impfungen wahrzunehmen. Bei der Covid-19 Impfung sind hohe Impfraten erforderlich, um die Pandemie einzudämmen und schwere gesundheitliche Schäden zu vermeiden. Bei den Männern 60+ sollten wir Durchimpfungsraten von mindestens 60% bis zum Jahresende erreichen.

Verringerung von Ansteckungen und Förderung einer gesunden Lebensweise

  • Verringerung des Risikos einer Ansteckung mit dem Covid-19-Virus durch Einhaltung von Hygieneregeln (AHA + L- Regel – Abstand von 1,5 m halten, Hygienisches Händewaschen 20-30 Sek., Alltagsmaske, medizinische oder FFP2 Maske tragen und Räume lüften) und ggf. rechtzeitige Diagnostik und Therapie bei auftretenden Symptomen.
  • Raucher, die an Atemwegserkrankungen leiden, sollten motiviert werden, das Rauchen einzustellen.
  • Erhöhung der eigenen Widerstandskraft gegen das Virus durch eine gesunde Lebensweise und Fitness: Fahrradfahren, Jogging, viel Aufenthalt an frischer Luft und gesunde Ernährung, Vermeidung von hohem Übergewicht.
  • Teilnahme an Zertifizierten Kursen für gesunde Ernährung, Stressreduktion und Bewegung sind in der Datenbank der Zentralen Prüfstelle Prävention (ZPP) gelistet und werden finanziell von den Krankenkassen als Präventionsleistung unterstützt. Viele Kurse werden während der Pandemie auch online angeboten.
  • Teilnahme an Zertifizierten Kursen für gesunde Ernährung, Stressreduktion und Bewegung sind in der Datenbank der Zentralen Prüfstelle Prävention (ZPP) gelistet und werden finanziell von den Krankenkassen als Präventionsleistung unterstützt. Viele Kurse werden während der Pandemie auch online angeboten.
  • Durchführung von Aktionen zur Solidarität und Hilfebereitschaft gegenüber älteren und behinderten Bürgern im Wohngebiet. Dies schließt die Nutzung, den Einsatz und die Förderung individueller Kompetenzen im Rahmen kommunaler Projekte ein.
  • Nutzung aller Angebote zur Vorsorge, Prävention und Krankheitsfrüherkennung, wie Krebsvorsorge / -früherkennung, Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Impfschutz und Betriebliche Gesundheitsförderung (BGF), z.B. auch von geeigneten Gesundheits-Apps.

Stärkung des Wohlbefindens und der psychischen Gesundheit
Coronabezogene Aktionen müssen unbedingt den Schutz der psychischen Gesundheit einschließen, nach Ansicht der WHO ist dies ein bisher vernachlässigter Aspekt von Covid-19. Bei früheren Ausbrüchen von Infektionserkrankungen sind bspw. langfristige negative Folgen von Isolations- und Quarantänemaßnahmen belegt worden: Depressivität, Ängstlichkeit, Aggressivität, Stresserleben, Schlafstörungen, Sorgen, Einsamkeit und Stigmatisierungserleben. Diese Folgen werden unterschätzt und treffen Gesunde wie auch verstärkt Menschen mit psychischen Vorerkrankungen. Erste Studien in Zusammenhang mit Covid-19 weisen auf ein steigendes Risiko für Depression, Angst- und Belastungsstörungen sowie Suchtverhalten hin.

Niedrigschwellige Angebote zur Bewältigung von Isolation, psychischen Belastungen und Stress in der Coronakrise sind bereits vorhanden und könnten männerspezifisch aufbereitet bzw. an den Mann gebracht werden. Dabei muss besonders auf Depressivität, Depressionen, verstärktes Suchtverhalten, aggressives Verhalten, häusliche Gewalt, den Umgang mit Ängsten sowie auf das erhöhte Suizidrisiko von Männern fokussiert werden (insbesondere bei Existenzkrisen, Alleinstehenden, Älteren). 

E-Mental-Health Empfehlungen zur Bewältigung psychischer Belastungen basieren auf der Nutzung von wissenschaftlich fundierten und kostenlosen Angeboten zum Selbstmanagement (z.B. moodgym) sowie das für alle zugängliche ifightDepression Tool von der Stiftung Deutsche Depressionshilfe e.V.. Das Portal psychenet.de bietet Informationen für Betroffene mit psychischen Belastungen und Erkrankungen und ihren Angehörigen. Das Online-Training get.calm and move.on enthält Übungen gegen Angstgefühle.

Spezifische Coronabezogene Online Angebote sind die BDP-Corona-Hotline vom Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen, die professionelle Hilfe per Telefon anbietet (inzwischen leider geschlossen, aber weitere Adressen unter dieser URL, GN) oder die bundesweite Initiative starkdurchdiekrise.de, die u.a. eine Hotline zur psychologischen Erstversorgung und ein Corona-Online-Training mit psychologischer Begleitung anbietet. Mit der Corona EMIcompass App kann der Umgang mit Stress und Belastung verbessert werden.

Betonung der internationalen Zusammenarbeit
Die Internationale Zusammenarbeit mit der Global Action of Men´s Health, in dem Deutschland durch die Stiftung Männergesundheit Berlin vertreten ist, mit der Weltgesundheits-Organisation Europa und dem Healthy City Netzwork der WHO, sollte in den Veranstaltungen berücksichtigt werden, um internationale Bemühungen zur Verbesserung von Männergesundheit darzustellen. Der Männergesundheitsbericht 2018 der WHO, Regionalbüro Europa, hat bewirkt, dass gerade Kräfte gebündelt werden, um eine nationale Männergesundheitsstrategie in Deutschland auf den Weg zu bringen und somit die Gendergleichheit zu der vorliegenden Frauen-Gesundheitsstrategie in Deutschland herzustellen.

Wir empfehlen den Netzwerken für Jungen- und Männergesundheit, den Kommunen und Akteuren von Jungen- und Männergesundheit, sich einen Schwerpunkt für einen Aktionsplan in der Männergesundheitswoche herauszugreifen und öffentliche Aufmerksamkeit über Medien zu erlangen, damit männerspezifische Gesundheitsprobleme speziell im Zusammenhang mit der Bewältigung der Corona-Epidemie thematisiert und aufgegriffen werden.

Der Vorstand der Stiftung Männergesundheit
Der Wissenschaftliche Beirat der Stiftung Männergesundheit
Der Förderverein der Stiftung Männergesundheit

Berlin, den 4. Februar 2021

Dieses Schreiben steht hier als PDF zum Download bereit.

Online-Befragung: Empfehlungen für eine geschlechtersensible und intersektionale Gesundheitsberichterstattung

Akteure aus Wissenschaft oder Gesundheitsberichterstattung sind eingeladen, bis 15. März 2021 an einer Online-Befragung zur Entwicklung von Empfehlungen für eine geschlechtersensible und intersektionale Gesundheitsberichterstattung zteilzzunehmen.

Die Befragung wird im Rahmen des BMBF-geförderten AdvanceGender Projekts (Teilprojekt 3) im Fachgebiet Gesundheitsberichterstattung (GBE) des Robert Koch-Instituts (RKI) durchgeführt (Projektleitung: Dr. Alexander Rommel). Aufgabe der Gesundheitsberichterstattung ist es, aktuelle und detaillierte Informationen über die Gesundheit der Bevölkerung bereitzustellen. Sie ist damit eine wichtige Grundlage für die Gesundheitspolitik. Die geschlechtersensible und intersektionale Weiterentwicklung der GBE soll die Diversität der Bevölkerung besser abbilden und damit eine zielgruppengerechtere Gesundheitsförderung, Prävention und Versorgung ermöglichen.

Die Befragung ist Teil eines mehrstufigen Delphi-Verfahrens, in dem Expert:innen aus Wissenschaft und GBE Empfehlungen für eine geschlechtersensible und intersektionale GBE entwickeln. Die vorliegenden Empfehlungen wurden auf der Grundlage eines Workshops im Herbst 2019 im RKI entwickelt (Stufe 1) und sollen nun von einem größeren Kreis kommentiert und bewertet werden (Stufe 2).

Da es sich um bereits aufbereitete komplexe Empfehlungen für die GBE handelt, dauert die vollständige Beantwortung der Fragen ca. 40 Min. Sie können jedoch auch einzelne Punkte überspringen und die Befragung jederzeit unterbrechen und wiederaufnehmen.

Wir wissen um die hohe Auslastung vieler Menschen aufgrund der SARS-CoV-2-Pandemie und freuen uns sehr, wenn Sie dennoch bereit sind, uns bei der Weiterentwicklung der Gesundheitsberichterstattung zu unterstützen!

Zur Teilnahme an der Befragung folgen Sie bitte diesem Link. Sie können den Link zur Befragung sehr gern an relevante Akteure aus Wissenschaft oder GBE weiterleiten.

Wenn Sie Fragen haben, können Sie mich gerne per E-Mail erreichen.

Viele Grüße, Kathleen Pöge, RKI